(Un)haltbar?
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Aber es überlebt. Ganz ähnlich geht es in diesem Winter dem FC, der gestern mal wieder eine 1:0-Führung verspielte, andererseits aber den Abstand zu den Abstiegsplätzen um einen weiteren Zähler auf nun ganze zehn vergrößern konnte. Und angesichts der vielen Ausfälle muss und kann man damit hoch zufrieden sein.
Diskussionwürdig erscheint der Kölner Presse wohl – abgesehen von den desaströsen Platzverhältnissen – vor allem das Gegentor durch Grafite. Der Express gibt Mondragon die Schuld: “Doch dann tapste er doch zu spät in die Ecke und setzte sich die Pappnase auf… Grafites Aufsetzer zum Ausgleich war haltbar.” Und auch der Kölner Stadtanzeiger stimmt mit ein: “Der Ball war haltbar, Kölns Torhüter Faryd Mondragon schaffte das aber nicht, was nicht für ihn spricht.” Man kann den Eindruck bekomen, dass mit einem wirklich guten Keeper auch drei Punkte drin gewesen wären.
Interessant ist allerdings, dass die eher neutrale Berichterstattung des Kicker folgendes festhält: “Torwart Mondragon und etwas Glück hielten die Kölner aber im Spiel und stellten schließlich das Unentschieden sicher. (…) Nach einem Einwurf kam der Ball über Okubo zu Grafite. Der ließ den angeschlagenen Ehret locker aussteigen und zog aus über 20 Metern ab. Unhaltbar schlug das Leder unten links im Kölner Tor ein.” Offensichtlich liegt der Fall also nicht so eindeutig. Und wenn man sich die Szene genau anschaut wird man feststellen, dass Mondragon den Ball erst spät kommen sieht, Pezzoni verdeckt den Schuss. Von einen Patzer zu sprechen tut der Nummer 1 beim FC also unrecht. Zugegeben, man hat bei der Aktion das Gefühl, dass ein René Adler vielleicht noch die Finger an den Ball bekommen hätte. Aber ein Torwartfehler war das nicht und in der Gesamtschau des Spiels hat Mondy zahlreiche starke Aktionen gehabt, die seine Bundesligatauglichkeit beweisen.
Bleibt die Frage, warum sich Express und KSTA so auf Mondragon einschießen. Eine Vermutung liegt auf der Hand: Mondragon ist 37 und damit stellt sich natürlich absehbar die Frage der Nachfolge. Und darüber lässt sich herrlich spekulieren, bis zum Sommer ist wunderbar Auflage mit Torwart-Diskussionen machen. Und das um so besser, wenn Mondragon nicht unumstritten ist. Und dafür lässt sich ja sorgen. Es sollte sich bei der Bewertung von Mondragon also besser jeder auf seine eigenen Eindrücke verlassen. Aber das ist ja eh immer das Beste.
Nachtrag (2.2. – 14:52 Uhr): Der Kicker hat sich korrigiert und schreibt nun: “Nach einem Einwurf kam der Ball über Okubo zu Grafite. Der ließ den angeschlagenen Ehret locker aussteigen und zog aus über 20 Metern ab. Das Leder schlug unten links im Kölner Tor ein, Monragon reagierte in dieser Situation einen Tick zu spät.” Das kann man so sehen. Ein Mondragon-Bashing ist aber dennoch fehl am Platze.
FC vs. Wolfsburg – eine Rückvorschau
Wolfsburg. Brrr. Seit 1995 kommen bei dem Wort Abneigung, Ehrfurcht und Verachtung in mir hoch. Noch zu gut kann ich mich an das damalige Pokalhalbfinale erinnern. Das Müngersdorfer Stadion war Schauplatz einer der bittersten Niederlagen der FC-Geschichte. Der niedersächsische Zweitligist und Emporkömmling gewann beim hohen Favoriten durch ein Tor des damals schon 35jährigen Siegfried Reich mit 1:0 und zu allem Überfluss wartete im Finale auch noch Gladbach. Der Schock saß tief, denn Mitte der 1990er Jahre rechnete man als FC-Fan noch nicht mit ständigen Tiefschlägen, sondern sah eigentlich jedem Spiel optimistisch entgegen. Auch wenn die ganz große Zeit schon ein paar Jahre vorbei – eine Niederlage gegen Wolfsburg war eigentlich vorstellbar. (Für die Jüngeren: ja, so Zeiten gab es!) Und auch nach 1995 setzte es zahlreiche scheußliche Reinfälle gegen die Mannen aus der selbsternannten Autostadt. Wolfsburg. Seit knapp 14 Jahren versuche ich nun schon zu vergessen – ohne Erfolg. Der Stachel sitzt noch immer tief.
Mit Blick auf das morgige Spiel lässt sich immerhin feststellen, dass die reale Heimbilanz besser ist als die gefühlte, die Zahlen sprechen von einem 2-1-2 bei 10:10 Toren. Die Auswärtsbilanz sollte man sich als FC-Fan aber lieber nicht geben. Auch die Tatsache, dass Wofsburg – ich glaub ich sprech ab jetzt nur noch von VW, das ruft nicht ganz so negative Assoziationen hervor -, dass also VW in dieser Saison noch kein Auswärtsspiel gewonnen hat, macht nicht wirklich Mut. Denn zweifelsohne ist auch dem aktuellen FC-Team zuzutrauen diese Serie zu beenden. Insbesondere da mit Geromel und Novakovic die wichtigsten Säulen der Hinrunde (nach den lächerlichen gelb-roten Karten aus Bochum) fehlen werden, und mit Womé ein weiterer Stammspieler ausfällt. Bei VW fehlt nur Dejagah, Felix Magath kann es sich sogar leisten grob geschätze zehn Profis gar nicht erst in den Kader zu berufen.
Und doch, morgen muss man gegen VW punkten. Zum einen weil ein Fehlstart unweigerlich die Rückkehr des Abstiegskampfes bedeutet, was um jeden Preis verhindert werden muss. Und zum anderen weil niemand ernsthaft behaupten kann, dass man in einem Heimspiel gegen ein nur vier Punkte besser platziertes Team keinen Punkt einkalkuliert. Also vergessen wir Statistiken und unselige Vergangenheit und blicken mal auf die Ergebnisse der Wintervorbereitung.
Die voraussichtliche Aufstellung sieht wohl wie folgt aus: Mondy – Matip, Dodo, McKenna, Brecko – Ehret, Petit, Antar, Yalcin – Ishiaku, Radu. Ggf. auch Pezzoni statt Antar oder Yalcin, unter Umständen auch statt Radu. Alle andere sind wohl gesetzt. Im Vergleich zum Stamm der Hinrunde fehlen also Geromel, Novakovic und Womé sowie Pezzoni, und keinen davon kann man als Verlierer der Vorbereitung bezeichnen. Verlierer sind eher diejenigen, die es trotzdem nicht in die Startaufstellung geschafft haben, vor allem Vucicevic, Broich, Sanou und Chihi. Bei diesen stellt sich damit unweigerlich die Frage nach der Zukunft beim FC (was aber ein andermal diskutiert werden soll). Klare Gewinner sind einmal Roda Antar, der gegen Ende der Hinrunde abgemeldet war und dem Wechselabsichten nachgesagt wurden, der sich aber trotzdem reinhängte und eine ganz starke Vorbereitung spielte. Hut ab. Und zum anderen Taner Yalcin, der in der Hinrunde noch meist in der U19 am Ball war – mehr Gewinner geht nicht. Und dann vielleicht noch Marvin Matip von dem man aber schon länger weiss, dass er ein ganz wichter Spieler ist (auch wenn es sich in den Einsatzzeiten nicht immer widerspiegelt).
Also hoffen wir, dass die Gewinner nicht am Samstag schon wieder Verlierer sind. Es ist Zeit das VW-Trauma Stück für Stück hinter sich zu lassen. Und da würde zumindest ein Punkt schon ein klein wenig weiterhelfen.
Poldi Reloaded! – Eine Presseschau
Obwohl der Transfer sich schon länger abzeichnete ist die deutsche Presse gestern und heute erst so richtig ins Rollen gekommen. Kein Blatt in dem nicht mindestens zwei Beiträge zur Poldi-Rückkehr zu finden sind. Es ist also alles gesagt, sogar von jedem. Und das ist Grund genug hier nicht eine weitere Besprechung des Wechsels zwischen Chance und Risiko zu liefern, sondern stattdessen die besten oder auch interessantesten Berichte und Kommentare hier zu verlinken.
Hut ab, Fabrice!
Ein wenig kann einem Bochum schon leid tun. 17 Spiele, 11 Punkte, nur ein Sieg und dann auch noch das bittere 1:2 gegen den FC. Obwohl man die bessere Mannschaft stellte und auf den Sieg drückte verlor man in den Schlussminuten sogar noch den einen Punkt. Alle Kölner Anhänger können dagegen mit 22 Punkten beruhigt in die Winterpause gehen, neun Punkte Vorsprung sind ein ordentliches Polster auf die Abstiegsplätze. Fünf Siege in der Rückrunde sollten nun schon zum Klassenerhalt reichen.
Neben diesen Fakten gibt es aber noch eine weitere Erkenntnis des gestrigen Abends: Das Team kann Ausfälle verkraften, auch die Ersatzspieler haben Bundesligaformat. Ein Marvin Matip ist immer eine Bank, ein McKenna hängt sich stets rein und Manasseh Ishiaku hat in seinen Einsätzen angedeutet, dass er in der Rückrunde ein ganz wichtiger Spieler sein kann. Natürlich sind ein Adil Chihi, ein Willi Sanou und viele weitere unter ihren Möglichkeiten geblieben, auch Stammspieler wie Roda Antar. Aber letztlich hat die Mannschaft insgesamt, und nicht nur die erste Elf, das Zeug für die Bundesliga. Und das ist die wichtigste Erkenntnis der Hinrunde und insbesondere des gestrigen Spiels.
Und genau deshalb täte der FC im Winter gut daran, die Kohle beisammen zu halten und nicht groß auf dem Transfermarkt zuzuschlagen. Dies nicht nur im Hinblick auch einen möglichen und wohl nicht billigen Poldi-Transfer im Sommer. Sondern weil wirkliche Verstärkungen nicht auf dem Markt sein werden. Im Winter laufen keine Verträge aus. Wer wechselt hat also entweder sportliche oder persönliche Probleme in seinem Verein, oder ist nur über eine hohe Ablöse zu bekommen. Spieler wie zum Beispiel ein Hildebrand sind bzw. waren da die absolute Ausnahme. In der Überzeugung, dass die Mannschaft den Klassenerhalt letztlich halbwegs souverän schaffen wird, sollte man sich also schon jetzt auf die Sommertransfers konzentrieren.
Ein letztes Wort zu gestern: Auch wenn Ishiaku gefeiert wurde, der Matchwinner war Fabrice Ehret. Ein solches Solo über knapp 80 Meter hab ich schon ewig nicht mehr von einem FC-Spieler gesehen. Klar, er spielt nicht acht Bochumer aus. Aber schon die Balleroberung zeigt einen absoluten Willen, wie auch das Zweikampfverhalten im Duell mit Maltritz. Und dann nach so einem Sprint noch den mitgelaufenen Ishiaku zu sehen und den Ball so uneigennützig wie mustergültig aufzulegen: Hut ab, Fabrice.
Frech, böse und gierig!
Die heutige FC-Nachricht des Tages bestand darin, dass Pierre Womé dem FC einen Brief geschrieben hat. Glaubt man dem Boulevard, dann war der Brief “blau” und “böse” und sein Inhalt “frech”, vielleicht sogar eine “Gier-Anfall”, jedenfalls aber “einzigartig in der Branche”. Oha. Was war passiert? Folgendes:
Der Angestellte Womé hat seinen Arbeitgeber – bzw. seinen Vorgesetzten Meier – schriftlich darauf hingewiesen, dass ihm nicht das vereinbarte Gehalt überwiesen wurden. Sondern etwas weniger und zudem noch eine andere Zahlung seit vier Monaten überfällig sei. Geschäftsführer Michael Meier hat daraufhin das Ganze nachgeprüft und zur Zufriedenheit des Angestellten geregelt. Ende der Geschichte.
Wo bitte ist jetzt hier irgendwas “frech” oder ein “Gier-Anfall”? Der Vorgang ist das normalste in der Welt. Bei Gehaltsabrechnungen passieren Fehler – absichtliche und unabsichtliche. Und wenn einem Arbeitnehmer dort ein Fehler zu seinen Ungunsten auffällt, dann sollte er auf Richtigstellung pochen, am besten schriftlich. Genau das hat Womé gemacht. Es gibt eigentlich nur einen Aspekt der ganzen Geschichte, der eine Nachricht wert ist. Und das ist die Frage, wie derlei Fehler beim FC passieren können. Da sollte man mal recherchieren, schließlich sind finanzielle Angelegenheiten immer ein sensibles Thema. Vermutlich gibt es eine einfach Erklärung für den Fehler, einen Finanzskandal gibt es wohl nicht aufzudecken. Trotzdem, als Journalist darf man hier durchaus mal nachfragen.
Aber ein solch tendenzieller Artikel, der Pierre Womé ohne jegliche Grundlage neben die Worte “böse”, “frech” und “Gier-Anfall” setzt, den Spieler noch ob eines Rechtschreibfehlers aufzieht, ist äußerst schlechter Stil. Hier wird auf dem Rücken eines Menschen das Ziel der Auflagenerhöhung verfolgt. Wie kann man das nennen? Frech? Böse? Gierig? Ja, genau.
“Und dann kam das 2:1 gegen Hannover…
… und der Trainer trank ein Kölsch, vielleicht auch zwei.”
Zugegeben, in der soeben zitierten “Heldensage vom heiligen Ewald” der Wise Guys geht es um ein 5:3. Doch ansonsten passt alles: Köln gewinnt erstmals seit acht Jahren gegen Hannover, die drei Punkte sind ein Riesenschritt nach vorn (damals der 1. Wiederaufstieg) und danach geht das Team feiern (Freitag abend nach Angaben des Trainers im Sportstudio bis fünf(!) Uhr morgens). Und die Fans sind anschließend euphorisch, verheißt die Zukunft doch nur Gutes.
Dazu gibt es alles Grund, denn ein Spiel wie das vom Freitag wäre in den letzten Jahren in acht von zehn Fällen sogar verloren gegangen. Dieses Mal wurden drei Punkte gewonnen. Und vier Mal hatte der FC Glück:
1. Der Ausgleichstreffer durch Geromel war sehr knapp – zu knapp fürs menschliche Auge. Der Schiedsrichter und sein Assistent konnten niemals erkennen, ob der Ball wirklich mit vollem Umfang hinter der Linie war. Je nach Kameraperspektive sieht das anders aus. Letztlich scheint die Entscheidung korrekt gewesen zu sein. Aber manchmal ist auch eine richtige Schiedsrichterentscheidung einfach Glück.
2. Das 2:1 durch Willi Sanou war höchst unglücklich abgefälscht. In den Fernsehbildern sieht es so aus, als würde Fromlowitz den Ball halten können. Nach der Berührung durch Hanke ist er chancenlos.
3. Der Freistoß von Huszti an die Unterkante der Latte hätte einen Treffer verdient gehabt. Ein unglaublicher Strahl, Mondragon ohne Chance. Aber der Ball tippt kurz vor der Linie auf – zum Glück.
4. Das Handspiel von Wome war grenzwertig. Nach konsequenter Regelauslegung ist die Entscheidung von Schiri Sippel wohl korrekt. Aber das stützt sich nur auf die Beurteilung der Frage, ob das Handspiel absichtlich war oder nicht. Da kann man so entscheiden, wie es Sippel tat. Aber die Hand ging zum Ball und verhinderte eine glasklare Torchance. Sowas wird nicht selten gepfiffen.
Und doch ist klar, dass man sich Glück auch erarbeiten muss. Und das hat die Mannschaft getan. Deshalb war der Sieg nicht unverdient und genau deshalb kann man fast sicher sagen: Wer so Spiele gewinnt, der steigt nicht ab. Andere Vereine werden mit solchen Siegen sogar Meister. (Aber das sind andere Vereine, nicht der FC. Nur um Missverständnissen vorzubeugen.
)
Bei genauer Betrachtung gibt es doch noch ein paar kleine, aber feine Unterschiede zum Sieg gegen Hannover aus dem Jahr 2000. Damals war der Sieg verdienter und die Tore schöner. Das unfassbare “Aufstiegstor” zum 4:3 durch Alex Voigt ist für mich noch immer der größte FC-Moment der letzten 18 Jahre. Dafür ging es damals aber zwei Jahre später wieder runter. Und das wird es dieses Mal nicht.
Wirklich nicht. Niemals.
Derbysieg zur Tabellenführung!
Dank einer ganz starken Mannschaftsleistung hat der 1. FC Köln am Freitag Abend das Derby gegen Leverkusen gewonnen. Zwei Standardsituationen brachten unsere schon in der ersten Hälfte auf die Siegerstraße: Zunächst konnte die Leverkusener Hintermannschaft einen Freistoß von Mike Wunderlich nur ins eigene Tor klären, kurz vor der Halbzeit schoss Wunderlich dann direkt und sehenswert ein.
Damit schaffte die Mannschaft, gerade erst aufgestiegen, sogar den Sprung die Tabellenspitze und ist bester Aufsteiger der Liga. Nach vier Spielen ohne Niederlage verspricht Trainer Frank Schäaefer aber jetzt nicht abzuheben: “Jetzt gilt es, auf dem Teppich zu bleiben und sich voll auf die beiden nächsten schwierigen Aufgaben in der Englischen Woche zu konzentrieren.”
War sonst irgendwas letzten Freitag?
Fakten zum Cottbus-Spiel
Die Fakten (optimistisch):
Der FC hat erstmal seit acht Jahren drei Bundesliga-Siege in Folge eingefahren. Und dabei den 2000. FC-Bundesligapunkt gemacht. Cottbus wurde klar dominiert und hatte keine einzige Torchance! Nach acht Spieltagen ist die FC-Abwehr die beste der Liga (neun Gegentreffer – in den letzten drei Spielen sogar nur ein einziger und der auch nur durch einen Torwartfehler). Der Qualifikationsplatz zur Champions League ist zwei mickrige Punkte entfernt, die Abstiegsrelegation acht Punkte. Bremen und die Bayern liegen in der Tabelle hinter uns, wenn Schalke morgen verliert auch die.
Wow, ich kann das internationale Geschäft schon riechen!
Die Fakten (pessimistisch):
Der klare Abstiegskandidat Cottbuss wurde zu Hause mühsam mit 1:0 besiegt, über 60 Minuten spielte man gar in Überzahl. Der FC hatte bisher eher “leichte” Gegner und muss bis zur Winterpause noch gegen sechs der sieben vor ihm platzierten Teams antreten. Die Tordifferenz ist trotz leichter Gegner und starker Abwehr negativ. Die Offensive ist die viertschlechteste der Liga (acht Tore in acht Spielen). Das Team ist von Novakovic und seinen Toren (bisher fünf) abhängig, nicht auszudenken er fiele aus oder träfe nicht mehr. Mondragon hat bereits mehrfach gepatzt diese Saison, gegen Cottbus gabs zum Glück nichts auf sein Tor.
Ohje, das kann ganz schnell alles bergab gehen mit dem FC!
Also, was sagt uns das? Nichts. Wirklich gar nichts. Nach acht Spieltagen sind wir kaum schlauer als vor der Saison. Also lassen wir uns überraschen. Am besten positiv und am besten schon kommenden Freitag in Leverkusen. Denn noch bin ich gehemmt, aber ich hab unmenschlich Bock auf Euphorie!!!
Endlich wieder Bayernjäger?
Nach sechs Spieltagen ist der FC doch tatsächlich nur einen Punkt hinter den großen Bayern. Vor der Saison hätte ich das natürlich sofort gekauft. Nun stellt sich die Lage aber differenzierter dar, nicht zuletzt weil die Bayern schlecht gestartet sind. Und trotzdem, es fühlt sich irgendwie gut an, erst recht nach dem hochverdienten Sieg gegen die Schalker gestern.
Es war ja auch ein großer Abend. Und ich hatte phasenweise auch das Gefühl, das der “Kicker” schließlich zu seiner Überschrift für den Spielbericht machte: “Köln führt Schalke vor“. Die Erinnerungen an das großartige Pokalspiel von vor zwei Jahren kamen nicht von ungefähr. Doch gerade jetzt sollte man sich von dem einen Spiel nicht blenden lassen. Es war gut, keine Frage. Aber es war nicht so gut, wie es jetzt alle machen. Genausowenig wie die Leistungen in den drei Spielen zuvor – trotz der Niederlagen – so schlecht waren.
Köln sah gestern aus zwei Gründen so bärenstark aus:
1. Weil von Schalke gestern wirklich gar nichts kam. Kein Einsatz, keine Spielkultur. Das war wirklich eines der schwächsten Teams, dass sich in letzter Zeit nach Müngersdorf getraut hat. Punkt um.
2. Weil man nicht viel vom FC erwartet hat. Mal im Ernst, wer hat nach den letzten drei Spielen damit gerechnet, dass Schalke hochverdient besiegt wird? Wohl die Wenigsten. Ich jedenfalls nicht. Und wenn man drei Spiele lang kaum einen Torschuss des eigenen Teams sieht, dann wirken 5-6 in einer Halbzeit plötzlich überragend.
Aber was, wenn der Kopfball von Halil Altintop in der 91. Minute rein geht? Dann hat man gegen einen ganz schwachen Gegner zu Hause nur einen Punkt geholt. Unverdient, klar, aber hätte die Tabelle dann endlich mal gelogen? Hätte sie nicht. Deshalb, es war eine wirklich starke Leistung und ein hochverdienter Erfolg. Ein Spiel, dass Hoffnung macht. Aber man sollte sich nicht davon blenden lassen. Die Bayern werden uns bald enteilen. Schalke wird um den Titel spielen. Und der FC sollte kommende Woche im Derby punkten, um etwas Abstand zu den Abstiegsplätzen vorzulegen. So siehts nämlich aus. Aller Euphorie zum Trotz.
PS: Ich bin nun zwei Wochen im Urlaub, weswegen es in dieser Zeit keine Beiträge und twitter-updates geben wird.
Eine Begegnung mit Besonderheiten
Ein Heimspiel gegen die Bayern ist eigentlich immer was besonderes. Ein HeimSIEG gegen die Bayern leider auch. Auch dieses Mal gingen unsere Mannen leer aus, obwohl wenn die Leistung über weite Strecken ganz gut war. Aber es fehlte das letzte bißchen Courage, der volle Mut, die Mannschaft hat doch ein wenig an sich gezweifelt. Sie hätte das Herz in die Hand nehmen müssen, dann wäre vielleicht was gegangen. Die Bayern waren ja nun wirklich nicht übermächtig. Schade, aber andererseits ist dem Team da kein Vorwurf zu machen, Selbstvertrauen ist schwierig zu befehlen. Mit dem ein oder anderen Sieg in den kommenden Wochen kommt das hoffentlich von alleine. Und die Leistung von Geromel war Weltklasse (obwohl Toni doppelt traf), “Dodo“, Petit und Marvin Matip waren ebenfalls bärenstark. Darauf lässt sich auf jeden Fall aufbauen. Wer sich nochmal bewegte Bilder ansehen will, kann das übrigens bei 101greatgoals.com tun.
Da sich auf dem Rasen also nicht viel Überraschendes tat, suchte sich das Publikum wohl andere Beschäftigung. Und fand sie – natürlich – in Bayern-Stürmer Lukas Podolski. Dieser wurde schon vor seiner Einwechslung minutenlang gefeiert, dann bereitete er das zweite Tor vor und erzielte das Dritte selbst. Und wieder jubelt das Kölner Publikum. Und als krönenden Abschluss macht es mit Poldi die Welle. DAS war auch was Besonderes. Es wirft spätestens im Rückblick aber einige Fragen auf, die Philipp Selldorf bei den 11 Freunden treffend formuliert: “Darf man einem Spieler der gegnerischen Mannschaft während der Partie so haltlos zujubeln? Selbst dann, wenn es ein Kölner in der Verkleidung eines Münchners ist?” Einige formulieren ihre Position dazu eindeutig und drastisch, wie beispielsweise Mirai Torres.
Aber halten wir doch erstmal fest, was dafür spricht: Poldi stammt aus der eigenen Jugend, hat elf Jahre für den FC gespielt. Er hat viele wichtige und schöne Tore geschossen und ging nach dem Abstieg 2004 – trotz zahlreicher anderer Optionen – mit dem FC in die zweite Liga. Er bekennt sich noch heute zum Verein und macht kein Geheimnis daraus, dass er sich vorstellen kann wieder zurückzukehren. Und selbst nach einem Tor gegen den FC feiert er nicht unnötig. Das ist wunderbar so. Poldi verhält sich vorbildlich und es ist daher eine Selbstverständlichkeit, dass er in Müngersdorf nicht ausgepfiffen, sondern freundlich empfangen wird.
Und doch trägt er das Trikot des FC Bayern, er ist aus freien Stücken dort hin gegangen. Er hätte auch beim FC bleiben können, hatte sogar noch Vertrag. Damit will ich nicht sagen, dass er hätte bleiben sollen. Sein Abschied war nach dem Abstieg 2006 vorhersehbar und seine Entscheidung für die Bayern völlig in Ordnung. Da ist ihm kein Vorwurf zu machen. Aber andererseits ist die Tatsache nicht zu ignorieren, dass er nun für den FC Bayern spielt. Und das ist nicht der 1. FC Köln. Ein Milivoje Novakovic spielt dagegen für den FC. Und der wundert und ärgert sich in meinen Augen zurecht über die Poldi-Show im Stadion, insbesondere nachdem dieser auch noch das 0:3 erzielt hatte.
Jeder von uns FC-Fans würde immer unterschreiben, dass der FC wichtiger ist, als das Schicksal einzelner Spieler. Sogar wichtiger als Overrath, Schuhmacher, Littbarski und erst recht wichtiger als Lukas Podolski, der bei allem Respekt für seine Leistungen nicht an den Status der vorgenannten heran kommt. Und wenn der FC wichtiger ist als einzele Spieler, dann muss ich die Spieler mit dem Geissbock auf der Brust feiern. Und nicht die mit dem Bayern-Wappen. Einen Lukas Podolski sollte man freundlich empfangen. Aber die Verherrlichung am letzten Samstag, das war nichts anderes als eine kollektive Peinlichkeit.


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