Fußball und Nation
Ein eigentümliches Thema treibt die Boulevardzeitung mit den vier großen Buchstaben mal wieder um. Es geht um die Nationalität der FC-Spieler. Erst wird festgestellt, dass kein Deutscher in der FC-Startelf gegen Niederauerbach gestanden hat. Und etwas später fragt man Thomas Broich, ob zu viele Ausländer in der Bundesliga spielen. Dazu zwei Bemerkungen:
1. Die Behauptung stimmt einfach nicht, dass kein Deutscher in der Startelf gegen Niederauerbach stand. Adil Chihi ist in Düsseldorf geboren, dort auch aufgewachsen und hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Was braucht es noch, um als Deutscher zu gelten? Die Tatsache, dass die BILD diesen Fakt nachhaltig ignoriert, bedeutet entweder, dass sie keine Ahnung hat (A). Oder aber sie kennt die Fakten und biegt sie sich für die vermeintliche “Geschichte” zurecht (B). Oder aber sie akzeptiert Adli Chihi nicht als Deutschen, obwohl er hier geboren und ausgewachsen ist, deutsch spricht, die deutsche Staatsbürgerschaft hat etc. Das wiederum entspräche einem rassistischen Verständnis von Nationalität nach dem Blutsprinzip, dem ius sanguinis. Egal was Adil Chihi auch macht, er bleibt für BILD Marokkaner, er hat kein deutsches Blut in sich (C). Zugegeben, der BILD ist fraglos zuzutrauen traue ich fraglos zu, dass sie nicht so genau recherchiert. Aber in diesem Fall die Staatsangehörigkeit zu übersehen ist kaum möglich, daher scheidet Variante A aus. Und selbst wenn es nicht die rassistische Variante C ist, so ist auch B ein großes Ärgernis. Nicht nur, weil BILD hier dann bewusst lügt, sondern auch weil sie ihre Geschichte auf dem Rücken von jungen Deutschen mit Migrationshintergrund austrägt. Im Zweifel ist ein Adil Chihi nämlich doch Marokkaner. Wie auch viele Türken Menschen mit türkischen Wurzeln, die hier in zweiter Generation leben, im Zweifel doch Türken sind. Auch wenn sie kaum türkisch sprechen und in dem Land noch nie länger als drei Wochen am Stück waren. Und bei so viel geballter Ablehnung wundern sich noch einige, warum viele junge türkische Talente (oder auch Adil Chihi) lieber für das Land ihrer (Groß-)eltern spielen, statt für Deutschland.
2. Ist mir völlig schleierhaft, welche Relevanz die Frage nach der Nationalität hat. Einzig im Zusammenhang mit entsprechenden Regularien könnte die Frage von Interesse sein. Es gibt ja weiterhin eine so genannte “Ausländerregelung“. Aber diese ist in der BILD-Berichterstattung mit keinem Wort erwähnt. Und dann ist wirklich die große Frage, warum nicht besser über die Fähigkeiten der einzelnen Spieler diskutiert wird. Zur Not noch über deren Privatleben, das kann ja wenigstens noch mittelbar Einfluss auf die Leistung der Spieler haben. Aber die bloße Frage der Nationalität ist für die fußballerischen Fähigkeiten der Spieler sowas von irrelevant. Aus diesen nicht vorhandenen inhaltlichen Gründen ist daher schon die bloße Thematisierung der Frage in meinen Augen latent xenophob, also fremdenfeindlich. Diese Einschätzung stützt sich auf die Vergangenheit, wo die BILD in der Frage oft wider besseren Wissen berichtet hat. Man vergleiche nur zwei widersprüchliche Meldungen aus 2006 von der BILD und von der ARD. Die Diskrepanz ist - mal abgesehen von dreister Statistikfälschung - nur dadurch zu erklären, dass die ARD alle mit einem deutschen Pass als Deutsche führt, während die BILD alle mit einer doppelten Staatsbürgerschaft per se den Ausländern zuschlägt.
Selbst wenn am kommenden Samstag Sanou für Chihi in die Startelf rückt: Ich halte der Mannschaft alle Daumen und freu mich einen Keks, wenn die Mannschaft in Wolfsburg punktet. Ich bin FC-Fan und ich will mein Team siegen sehen. Ob die Spieler nun alle im Umkreis von 15 km vom Stadion aufgewachsen sind, oder am Strand in Südamerika das Kicken gelernt haben, das ist mir sowas von egal. Fußball ist völkerverbindend. Der FC ist ein weltoffener Club. Dem Ball ist egal wer ihn tritt. Und die BILD ist das Letzte.
Der “neue” Christoph Daum
Über die Qualität des Kölner Express kann man kaum streiten. Eine seriöse Zeitung ist was anderes. Gleichwohl ist nicht alles falsch, was drin steht und die Beobachtung, dass unser aller Christoph Daum einen anderes Bild abgibt, als vor einigen Monaten, ist definitiv richtig. Ob er nun wieder “der Alte” ist will ich bezweifeln, ich hoffe es (vor allem für ihn und seine Gesundheit!
) mal nicht. Auch ein Christoph Daum sollte sich weiter entwickeln und ich hoffe, dass er gestärkt aus den Erlebnissen der letzten anderthalb Jahre beim FC hervor geht. Aber es ist völlig richtig, dass er wieder Energie ausstrahlt, dass er offen und glaubwürdig wirkt, Optimismus versprüht. Bestes Beispiel ist sein Auftritt im aktuellen Sportstudio am vergangengen Samstag - wer ihn verpasst hat kann sich hier selbst ein Bild machen:
Christoph Daum im Sportstudio (zdf.de)
Insbesondere seine Aussage, dass er sich einfach freut wieder dabei zu sein (ca. bei 9:50 min), nimmt man ihm 100% ab. Klar, ein überragender Sympath wird Daum wohl nie mehr werden. Dazu ist er auch eine zu skurrile und polarisierende Figur. Aber im Sportstudio war er nah dran, zumindest war er schlagfertig und angemessen höflich. Alles in allem ein Auftritt, der die Hoffnung auf eine gute Saison des FC weiter verstärkt. Und darauf, dass er nicht im Winter oder nach der Saison von seiner Ausstiegsklausel gebrauch macht. Und das ist genau das, was der FC braucht: einen engagierten und optimistischen Trainer, der langfristig an Mannschaft und Verein arbeitet!
________________________
PS: Wer die Tore gegen Niederauerbach nicht gesehen hat, kann sie hier begutachten: Tore gegen Niederauerbach (spox.com)
Sergiu Radu ausgeliehen
Angesichts der dünnen Besetzung im Sturm hat der FC heute doch nochmal reagiert und Sergiu Radu aus Wolfsburg ausgeliehen. Einerseits ein nachvollziehbarer Schritt: Als Nebenmann von Novakovic ist Ishiaku vorgesehen, der laboriert aber an einer Sprunggelenksverletzung. Weitere Alternativen sind Matthes Scherz (36), Kevin McKenna (Verteidiger) und mit viel Wohlwollen Michael Gardawski (17). Sanou und Chihi sind in meinen Augen eher offensive Mittelfeldspieler, vielleicht noch Flügelstürmer, aber in einem System mit zwei Spitzen keine Spieler für ganz vorne. Insofern bestand hier in der Tat Handlungsbedarf. Der Markt wird mit jedem Tag aber immer leerer, weswegen die Alternativen nicht so üppig waren. Und Radu hat seine Klasse in der Bundesliga immerhin bereits bewiesen, als er in Cottbus eine ganz starke Saison 2006/7 spielte (14 Tore). Ein Ausleihgeschäft ist zudem nicht so teuer wie ein Kauf, und angesichts der Tatsache, dass der Spieler in Wolfsburg keine Perspektive mehr hatte, wird da keine große Summe als Ausleihgebühr geflossen sein. Was anderes ist das Gehalt: Radu soll in Wolfsburg nicht schlecht verdienen, aber trotzdem ist das finanzielle Risiko hier vermutlich vertretbar. Insofern hat die FC-Führung hier viel richtig gemacht.
Andererseits kann einen das Geschäft auch nicht zum Jubeln bringen. Radu hat nach Cottbus einen veritablen Karriereknick erlitten: Erst konnte er sich nicht in Wolfsburg durchsetzen, dann wurde er nach Stuttgart verliehen und kam auch da nur auf zwei Einsätze (woraufhin der VfB seine Kaufoption nicht nutzte). Es ist meiner Meinung nach nicht zu erwarten, dass der Mann jetzt beim FC plötzlich wieder explodiert. Außerdem will mir nicht im geringsten einleuchten, warum Radu “als idealer Nebenmann von Stoßstürmer Milivoje Novakovic” gilt, wie u.a. der Kicker schreibt. Radu ist ein ähnlicher Typ wie Novakovic, etwas kleiner aber genauso dünn, weicht gerne mal auf die Flügel aus etc. Das muss ja nicht schlecht sein, Nova ist ja auch ein Guter. Aber Stürmer passen nicht ideal zueinander, bloß weil sie sich möglichst ähnlich sind. Zwei Jan Koller im Sturm sind ja auch keine ideale Kombination. Sie sollten sich vielmehr möglichst gut ergänzen, weswegen mir ein echter, kopfballstarker Strafraumstürmer lieber gewesen wäre. Und als Talent kann Radu mit seinen (ab übermorgen) 31 Jahren auch nicht gelten.
Insofern drücke ich unserem neuen Mann hiermit alle Daumen, glaube aber nicht an viele Radu-Tore im FC-Dress. Rational betrachtet ist das Leihgeschäft sicher die richtige Entscheidung. Mir wär aber dennoch lieber, Ishiaku würde möglichst schnell gesund und fit sein.
“All-in”-Strategie beim FC?
Armando Gonçalves Teixeira. Klingt fast nach Diego Armando Maradona. Doch auch wenn “Petit” nicht der aktuell beste Fußballer der Welt ist (obwohl er mit dem - nach gängiger Meinung ein gewisser Cristiano Ronaldo - des öfteren zusammen gekickt hat), so ist sein Transfer zum 1. FC Köln ein Supercoup. Petit verkörpert auf der so wichtigen Sechser-Position internationale Klasse. Der Mann hat mehrfach die portugiesische Meisterschaft gewonnen, 57 Länderspiele für Portugal absolviert und eine Reihe exzellenter Partien in der Champions League gezeigt. So exzellent, dass er vor zwei Jahren auch zu Manchester United oder nach Lyon hätte gehen können. Warum, und das ist nun die große Frage, warum geht so einer zu einem Bundesliga-Aufsteiger, dessen letzte große Zeit knapp 20 Jahre her ist? Okay, Petit hatte in Lissabon wohl Probleme und wollte weg. Aber warum Köln? Im Wesentlichen sehe ich drei Möglichkeiten der Erklärung:
Möglichkeit 1: Der Mann hat seinen Zenit überschritten
Tja, Petit wird im September 32 Jahre alt. Ist also kein aufstrebendes Talent mehr. Aber dass er nur noch ein Zerrbild seiner selbst sei, kann niemand behaupten. Er hat noch vor wenigen Wochen bei der EM drei Spiele für Portugal gemacht, Kicker-Durchschnittsnote 3,33. Mit 32 baut man als Leistungssportler gemeinhin langsam ab, aber das kann man noch eine Weile durch Erfahrung kompensieren. Beispiele bärenstarker “Sechser” jenseits der 30 gibt es zuhauf. Zvonimir Soldo zeigte noch mit 38 Jahren Bundesliga-Niveau. Und Claude Makelele (36) stand vor ein paar Wochen im Champions League-Finale. Diese Möglichkeit ist also als Erklärung für den Transfer ungeeignet.
Möglichkeit 2: Das FC-Image, Christoph Daum und das WM-Stadion
Petit hat schon einmal in Köln gespielt. Bei der WM 2006 mit Portugal gegen Angola. Und er erinnert sich gerne daran zurück. Außerdem hat der FC international noch immer einen Namen und Christoph Daum ist einer der bekanntesten Trainer in Europa. Sollten also diese Faktoren den Ausschlag gegeben haben? Vielleicht haben sie eine Rolle gespielt, aber eher eine untergeordnete. Das WM-Spiel in Köln mag schön gewesen sein, aber Petit weiß genau, dass das nichts über den Liga-Alltag in Müngersdorf aussagt. Und der lange vergangene Ruhm eines Klubs im fernen Deutschland kann ihm wohl auch nicht so wichtig sein, dass er alles stehen und liegen lässt - Vereine mit ruhmreicher Vergangenheit gibt es in Europa so einige. Und schließlich ist man auf der Zielgerade einer Karriere nicht mehr so sehr daran interessiert einen Trainer zu haben, der einen voranbringt, der einen entscheidend verbessert. Ich denke, je länger man Profi ist, desto weniger ist die Position des Trainers entscheidend. Und auch wenn Daum einen internationalen Ruf hat, Petit und Daum haben bisher nicht zusammen gearbeitet, so dass damit eigentlich nicht zu erklären ist, dass so ein Mann ausgerechnet nach Köln geht.
Möglichkeit 3: Der FC zahlt einfach am meisten
Petit ist sicher der neue Topverdiener im Team. In der Presse (z.B. der FTD) wird auf einen Betrag zwischen 1,7 und 2 Millionen Euro jährlich spekuliert. Das ist ne Menge Holz. Ein Helmes hat für einen Bruchteil dessen in Köln gespielt. Letztlich werden bei diesem Transfer die nackten Zahlen den Ausschlag gegeben haben. Dafür gibt es zahlreiche Indizien: Claus Horstmann beispielsweise wird zitiert mit den Worten: “Das Geld ist aus.” Und Petit sagte vor seine Abreise angeblich zu portugiesischen Journalisten: “Ich erhalte den Vertrag meines Lebens.” Auch wenn man als Profi letztlich noch immer zuerst Fußballer ist: Ein tolles Stadion, super Fans etc. sind großartig. Aber eben auch nur ein Zubrot, wenn man mit Fußball sein Geld verdient. Der FC wollte mit aller Macht einen Top-Sechser und hat ihn sich geholt. Mit enormem finanziellen Aufwand, nicht mit Softskills und Hennes-Bildchen. Ohne damit die Leistung eines Michael Meier schmälern zu wollen, sicherlich war das trotzdem richtig Arbeit.
Was sagt uns das? Offensichtlich geht man im FC-Management mehr Risiko als in den letzten Jahren. Die wichtige Anschlussfrage ist nun, ob es sich um eine “all-in“-Strategie handelt oder man trotzdem gegen die diversen Risiken des Scheiterns abgesichert ist. Hier wandelt man endgültig im Bereich des Spekulativen. Michael Meier hat ja so einige Erfahrungen mit finanziellen Wagnissen - Dortmund lässt grüßen. Claus Horstmann dagegen ist wohl eher der knallharte Rechner, der bestimmte Grenzen nicht überschreiten würde. Hoffen wir, dass sich beide gut ergänzen und die jeweiligen Stärken zur Geltung kommen. Denn wenn hier wirklich alles-oder-nichts gespielt wird, dann ist die kommende Saison die wichtigste der Vereinsgeschichte.
Kaderveränderungen (VI) - Zusammenfassung
Wenn man die Abgänge so durchgeht ist schnell klar: Nur Helmes Wechsel nach Leverkusen ist eine echte Schwächung. Klare Verstärkungen sind dagegen Geromel und Petit und vermutlich auch Brecko, Wome, Sanou und Ishiaku. Insbesondere die Defensive sollte nun um einiges sattelfester stehen, mit Wome, Geromel, Petit und Brecko hat sich hier auch am meisten getan. Offensiv dagegen sehe ich leider keine Verbesserung. Viel hängt von Ishiaku ab: Wenn er Helmes halbwegs ersetzen kann ist alles gut. Kommt er aber nicht richtig auf die Beine oder spielt kontinuierlich schlecht, so habe ich Zweifel an der FC-Offensive. Grundsätzlich ist es nach der letzten Saison der richtige Ansatz gewesen, insbesondere die Defensive zu stärken. Vorne liefs ja. Hoffen wir, dass sich das Bild nun nicht umkehrt. Denn im Zweifel seh ich liebe rein 3:3 als ein 0:0, auch wenns einem mehr Nerven raubt.
In der Gesamtschau kann man aber durchaus optimistisch sein. Der Kader ist definitiv stärker als letzte Saison. Und hat somit allemal das Potenzial zu Klassenerhalt. Ein Ergebnis um Platz 10-12 sollte drin sein, Platz 15 wär fürs Erste auch noch okay.
Kaderveränderungen (V) - Umfeld
Abgänge: Hennes VII.
Zugänge: Hennes VIII., Dieter Trzolek (Leverkusen), Paul Steiner (Leverkusen)
Der König ist tot! Es lebe der König! Na gut, Hennes VII. lebt noch. Er ist nur in den Ruhestand gegangen worden. Und dieser ist zwar überfällig, keinesfalls aber “hochverdient”. Bei allen vier Abstiegen stand unser “Glücksbringer” in der Verantwortung. Zugegeben, auch bei alle vier Aufstiegen, aber machen wir uns nixchts vor: Hennes VII. war als Maskottchen offensichtlich überfordert. Zwar hat er immer einen ganz guten Eindruck an der Linie gemacht, aber letztlich ist nix bei rumgekommen. Daher ist die Entscheidung ihn auf den Altenteil zu schicken goldrichtig - er hatte genug Chancen und zugleich nimmt seine Ära mit dem Aufstieg ein halbwegs versöhnliches Ende. Ob Hennes VIII. jetzt die erhoffte Verstärkung an der Seitenlinie ist, wird sich zeigen. Offensichtlich ist er aber ein kämpferischer Typ, wie bei der Saisoneröffnung zu sehen war. Zudem jung, unbelastet und mit ordentlichen Hörnern für seine 17 Monate. Also, soll er zeigen was er kann!
Ein zweiter Coup im Team-Umfeld ist mit der Verpflichtung von Dieter Trzolek gelungen. Ausgerechnet aus Leverkusen losgeeist gilt der Mann als kauziger Wunderheiler. Blutegel, Pendel, Kohlwickel - derlei Methoden vermutet man nicht im Repertoire eines Bundesliga-Physiotherapeuten. Aber “Tscholli” hat damit seit Jahrzehnten Erfolg und daher zahlreiche Fans. Darunter anscheinend auch Christoph Daum, der bei diesem Transfer sicher die ausschlaggebende Figur war. Letztlich ist hier ein Mann mit enormer Reputation für eine sehr wichtige Position verpflichtet worden, der obendrein nun Leverkusen fehlt. Hut ab.
Und “Tscholli” hat die Rheinseite nicht alleine gewechselt. Der frühere Kölner Libero Paul Steiner - einer der vielen Ex-Kölner, die zwischenzeitlich in Leverkusen angeheuert hatten - ist wieder zurück. Und zwar als Scout mit Koordinationsaufgaben. Chef-Scout ist aber weiterhin Stephan Engels. Letztlich ist daher seine Rolle nicht so leicht einzuschätzen, ebenso wie seine Bedeutung für Leverkusen. Chef-Scout war er auch dort nicht, allerdings soll er seine Finger in dem ein oder anderen wichtigen Transfer gehabt haben. Na lassen wir uns überraschen, wie er sich so einbringt. einen zu großen Stellenwert sollte man dieser Personalie bis auf weitere aber nicht zumessen.
Insgesamt sind die Veränderungen im Team-Umfeld in meinen Augen deutlich positiv zu bewerten. Im Zweifel würd ich Trzolek und Steiner zwar wieder gegen Helmes eintauschen, aber das ist ein anderes Thema.
Kaderveränderungen (IV) - Angriff
Abgänge: Helmes (Leverkusen)
Zugänge: Ishiaku (MSV), Gardawski (U19), Radu* (Wolfsburg)
Klarer Fall, Helmes Weggang ist ein schlimmer Verlust. Ohne ihn wäre der Aufstieg nicht gelungen, in der Rückrunde war er der beste FC-Spieler. Schnell, nervenstark (der Elfer gegen Gladbach!), ungemein schußstark. Schade, dass der Mann nicht gehalten werden konnte. Die Frage ist nun, ob ihn Ishiaku ersetzen kann. Zunächst mal augenscheinlich nicht, er ist verletzt und kommt nicht in Tritt. Aber gehen wir mal davon aus, dass er bald auflaufen kann, dann ist er sicher für einige Tore gut. Zehn Treffer in 25 Spielen für Duisburg sind ordentlich. Seine Trefferquote in Belgien ist nicht ganz so eindruckvoll, aber immerhin hat er mit zwei belgischen Vereinen den Pokal gewonnen und dabei jeweils mit seinen Treffern die Partie entschieden. Ishiaku ist also alles andere als ein Blindgänger und ich denke der FC wird nicht so dumm gewesen sein, einen Invaliden zu kaufen. An Helmes Qualitäten kommt er aber - ich lasse mich gerne eines Besseren belehren - nicht ganz ran.
Damit ist der Sturm nicht mehr so stark wie in der Aufstiegssaison, denn Gardawski ist zwar hochveranlagt, aber halt erst 17(!) Jahre alt. Der FC kann froh sein ihn zu haben, aber einstweilen ist er noch keine Alternative im Sturm.
* Nachtrag: Radu ist so eine Alternative. Eine Einschätzung zu ihm gibts HIER.
Kaderveränderungen (III) - Mittelfeld
Abgänge: Gambino (Koblenz), Suazo (Antalyaspor)
Zugänge: Brecko (HSV), Brosinski (KSC), Sanou (Freiburg), Petit (Benfica), Yalcin (U19)
Zwei weg, fünf dazu - auch im Mittelfeld hat Christoph Daum nun mehr Alternativen. Auch wenn Yalcin und Brosinski Perspektivspieler sind, die wohl zunächst mal wenig Einsatzzeiten bekommen werden, so galt ähnliches ja auch für Gambino und lange auch Suazo. Letzterer hat allerdings mit beherzten Auftritten im Saisonendspurt (und bei der Aufsteigsfeier!) durchaus einiges zum Aufstieg beigetragen. Stellt man aber die Neuen gegenüber, so ist sein Abgang wohl zu verschmerzen.
Mišo Brecko ist sicher eine der Überraschungen der Vorbereitung. Eigentlich fällt er nicht unter die Kategorie “Hochkaräter”, beim HSV aber auch den Leihstationen Rostock und Aue hat er sich nie entscheidend durchsetzen können. Am ehesten noch in Rostock, wo er 2005/2006 immerhin 24 meist solide Spiele machte. In den Vorbereitungsspielen deutete sich aber an, dass Brecko vielleicht keine “Waffe” hat, andererseits aber alles recht gut kann. Mit dem nötigen Selbstbewusstsein und wenn die Form stimmt ist er sicher eine Verstärkung und eine wichtige Alternative zu Ümit oder im Mittelfeld.
Sanou dagegen hat eine Waffe: Er ist schnell. Richtig schnell. Und technisch besser, als ein David Odonkor. Ob das reicht und er damit regelmäßig spielen wird ist offen, aber so ein Spielertyp kann vor allem in Kontersituationen hilfreich sein. Er stellt also mindestens eine zusätzliche Option dar.
Bleibt noch “Petit”. Was soll man sagen: Der Mann ist ne Bank. Und das jetzt nicht nur, weil er Topverdiener im Team sein wird. Sondern vor allem weil er auf der wichtigen Position im defensiven Mittelfeld einfach internationale Klasse verkörpert. Wenn er auch nur Normalform bringt, wird er unumstritten eine Leitfigur auf dem Platz sein. 56 Länderspiele für Portugal sind ein Wort, zudem kommt er trotz einer körperbetonten Spielweise mit wenig gelben Karten aus: In 56 Länderspielen erhielt er lediglich 5 gelbe Karten - und da waren zahlreiche EM- und WM-Spiele bei. Laut Christoph Daum soll er auch viel dirigieren, und da kommen wir dann doch zu einem kleinen Problem: Der Mann spricht nur Portugiesisch. Zumindest Englischkenntnisse wären aber schön gewesen, um sich auf dem Platz schnell verständlich zu machen. Ich habe daher Zweifel, ob er gleich der überragende Organisator sein kann. Wenn er aber schnell deutsch lernt, wie es zB ein Ümit getan hat, dann sollte er voll einschlagen.
Zusammengefasst gibt es im Mittelfeld eine deutliche Qualitätsverbesserung dank Petit, einen zusätzlichen Spielertyp mit Sanou und einen fast überall gut einsetzbaren Mišo Brecko. Das Mittelfeld ist damit bundesligatauglich.
Kaderveränderungen (II) - Abwehr
Abgänge: Alpay (unbekannt)
Zugänge: Womé (Bremen), Geromel (Guimares)
Klarer Fall, hier sind Qualität und Angebot hinzu gekommen. Womé ist ein kleiner Wandervogel, bot aber bei seinen bisherigen Stationen immer gute Leistungen. Sonst hätte er es wohl kaum auf diverse Spiele in der Champions League sowie immerhin zwei Titel (Afrika-Meister 2002, Italienischer Meister 2006) gebracht. Ballsicher, schnell, mit Übersicht, weite Einwürfe. Der Mann ist definitiv eine Verstärkung für die linke Außenverteidung, wo zuletzt ja Marvin Matip spielte und zumindest nicht gehobenes Bundesliganiveau erreicht hat (aber seine Sache insgesamt nicht schlecht machte wenn man bedenkt, dass er kein Außenverteidiger ist). Einziges Manko: Womé ist nicht 100% fit. Er hat in Bremen verletzungsbedingt lange nicht gespielt und das merkt man ihm noch an. In den Testspielen war zu sehen, dass er Qualität hat. Aber dass er erst bei 60% seiner Fähigkeiten angelangt ist, das war auch zu sehen.
Dass ein Spieler wie Geromel (mit einem Vierjahresvertrag) beim FC gelandet ist, ist eigentlich kaum zu erklären. Jedenfalls wenn man dem Ruf glaubt, der ihm voraus eilt. Er ist jung (22). Er ist groß und kopfballstark. Außerdem schnell. Robust im Zweikampf. Und hat viel Übersicht im Spielaufbau. Und ist letzte Saison zum besten Verteidiger der portugiesischen Liga gewählt worden. Wenn davon auch nur die Hälfte stimmt ist Geromel eine Verstärkung, wenn die andere Hälfte auch wahr ist, wird er in zwei Jahren für einen zweistelligen Millionenbetrag nach England weiterverkauft.
Da den beiden nur der Abgang von Alpay gegenüber steht, der schon länger keine Rolle mehr spielt, sollte die Viererkette deutlich stabiler sein, als letzte Saison. Zumal mit Ümit und Dodo schon zwei Leistungsträger dort spielen.
Kaderveränderungen (I) - Tor
Und wieder ein neuer Anlauf, um endlich wieder eine feste Größe in der Bundesliga zu werden. Die bange Frage lautet natürlich: Packt der FC das diesmal? Einen ersten Anhaltspunkt - noch vor dem 1. Spieltag - bietet ein Blick auf die Veränderungen im Kader. Hier also die ultimative Besprechung der Ab- und Zugänge zur Saison 2008/2009!
Die Torhüter
Abgänge: Keine
Zugänge: Keine
Alles beim Alten also. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wobei immerhin der Verbleib von Paucken gelegentlich zur Diskussion steht. Verständlich, dass der als Nummer 3 andere Optionen prüft. Aber auf die Stärke des Teams hat das letztlich keinen Einfluss. Mondragon ist zwar ein Jahr älter geworden, aber wenn er nur 1/37 schlechter spielt, als letzte Saison, dann reicht das noch für die Bundesliga. Und mit Kessler steht ein Mann dahinter, der auch das Zeug zur Nummer 1 hat.

(50 Stimmen, durchschnittlich: 4.86 von 5)


