Hut ab, Fabrice!
Ein wenig kann einem Bochum schon leid tun. 17 Spiele, 11 Punkte, nur ein Sieg und dann auch noch das bittere 1:2 gegen den FC. Obwohl man die bessere Mannschaft stellte und auf den Sieg drückte verlor man in den Schlussminuten sogar noch den einen Punkt. Alle Kölner Anhänger können dagegen mit 22 Punkten beruhigt in die Winterpause gehen, neun Punkte Vorsprung sind ein ordentliches Polster auf die Abstiegsplätze. Fünf Siege in der Rückrunde sollten nun schon zum Klassenerhalt reichen.
Neben diesen Fakten gibt es aber noch eine weitere Erkenntnis des gestrigen Abends: Das Team kann Ausfälle verkraften, auch die Ersatzspieler haben Bundesligaformat. Ein Marvin Matip ist immer eine Bank, ein McKenna hängt sich stets rein und Manasseh Ishiaku hat in seinen Einsätzen angedeutet, dass er in der Rückrunde ein ganz wichtiger Spieler sein kann. Natürlich sind ein Adil Chihi, ein Willi Sanou und viele weitere unter ihren Möglichkeiten geblieben, auch Stammspieler wie Roda Antar. Aber letztlich hat die Mannschaft insgesamt, und nicht nur die erste Elf, das Zeug für die Bundesliga. Und das ist die wichtigste Erkenntnis der Hinrunde und insbesondere des gestrigen Spiels.
Und genau deshalb täte der FC im Winter gut daran, die Kohle beisammen zu halten und nicht groß auf dem Transfermarkt zuzuschlagen. Dies nicht nur im Hinblick auch einen möglichen und wohl nicht billigen Poldi-Transfer im Sommer. Sondern weil wirkliche Verstärkungen nicht auf dem Markt sein werden. Im Winter laufen keine Verträge aus. Wer wechselt hat also entweder sportliche oder persönliche Probleme in seinem Verein, oder ist nur über eine hohe Ablöse zu bekommen. Spieler wie zum Beispiel ein Hildebrand sind bzw. waren da die absolute Ausnahme. In der Überzeugung, dass die Mannschaft den Klassenerhalt letztlich halbwegs souverän schaffen wird, sollte man sich also schon jetzt auf die Sommertransfers konzentrieren.
Ein letztes Wort zu gestern: Auch wenn Ishiaku gefeiert wurde, der Matchwinner war Fabrice Ehret. Ein solches Solo über knapp 80 Meter hab ich schon ewig nicht mehr von einem FC-Spieler gesehen. Klar, er spielt nicht acht Bochumer aus. Aber schon die Balleroberung zeigt einen absoluten Willen, wie auch das Zweikampfverhalten im Duell mit Maltritz. Und dann nach so einem Sprint noch den mitgelaufenen Ishiaku zu sehen und den Ball so uneigennützig wie mustergültig aufzulegen: Hut ab, Fabrice.
Frech, böse und gierig!
Die heutige FC-Nachricht des Tages bestand darin, dass Pierre Womé dem FC einen Brief geschrieben hat. Glaubt man dem Boulevard, dann war der Brief “blau” und “böse” und sein Inhalt “frech”, vielleicht sogar eine “Gier-Anfall”, jedenfalls aber “einzigartig in der Branche”. Oha. Was war passiert? Folgendes:
Der Angestellte Womé hat seinen Arbeitgeber - bzw. seinen Vorgesetzten Meier - schriftlich darauf hingewiesen, dass ihm nicht das vereinbarte Gehalt überwiesen wurden. Sondern etwas weniger und zudem noch eine andere Zahlung seit vier Monaten überfällig sei. Geschäftsführer Michael Meier hat daraufhin das Ganze nachgeprüft und zur Zufriedenheit des Angestellten geregelt. Ende der Geschichte.
Wo bitte ist jetzt hier irgendwas “frech” oder ein “Gier-Anfall”? Der Vorgang ist das normalste in der Welt. Bei Gehaltsabrechnungen passieren Fehler - absichtliche und unabsichtliche. Und wenn einem Arbeitnehmer dort ein Fehler zu seinen Ungunsten auffällt, dann sollte er auf Richtigstellung pochen, am besten schriftlich. Genau das hat Womé gemacht. Es gibt eigentlich nur einen Aspekt der ganzen Geschichte, der eine Nachricht wert ist. Und das ist die Frage, wie derlei Fehler beim FC passieren können. Da sollte man mal recherchieren, schließlich sind finanzielle Angelegenheiten immer ein sensibles Thema. Vermutlich gibt es eine einfach Erklärung für den Fehler, einen Finanzskandal gibt es wohl nicht aufzudecken. Trotzdem, als Journalist darf man hier durchaus mal nachfragen.
Aber ein solch tendenzieller Artikel, der Pierre Womé ohne jegliche Grundlage neben die Worte “böse”, “frech” und “Gier-Anfall” setzt, den Spieler noch ob eines Rechtschreibfehlers aufzieht, ist äußerst schlechter Stil. Hier wird auf dem Rücken eines Menschen das Ziel der Auflagenerhöhung verfolgt. Wie kann man das nennen? Frech? Böse? Gierig? Ja, genau.
“Und dann kam das 2:1 gegen Hannover…
… und der Trainer trank ein Kölsch, vielleicht auch zwei.”
Zugegeben, in der soeben zitierten “Heldensage vom heiligen Ewald” der Wise Guys geht es um ein 5:3. Doch ansonsten passt alles: Köln gewinnt erstmals seit acht Jahren gegen Hannover, die drei Punkte sind ein Riesenschritt nach vorn (damals der 1. Wiederaufstieg) und danach geht das Team feiern (Freitag abend nach Angaben des Trainers im Sportstudio bis fünf(!) Uhr morgens). Und die Fans sind anschließend euphorisch, verheißt die Zukunft doch nur Gutes.
Dazu gibt es alles Grund, denn ein Spiel wie das vom Freitag wäre in den letzten Jahren in acht von zehn Fällen sogar verloren gegangen. Dieses Mal wurden drei Punkte gewonnen. Und vier Mal hatte der FC Glück:
1. Der Ausgleichstreffer durch Geromel war sehr knapp - zu knapp fürs menschliche Auge. Der Schiedsrichter und sein Assistent konnten niemals erkennen, ob der Ball wirklich mit vollem Umfang hinter der Linie war. Je nach Kameraperspektive sieht das anders aus. Letztlich scheint die Entscheidung korrekt gewesen zu sein. Aber manchmal ist auch eine richtige Schiedsrichterentscheidung einfach Glück.
2. Das 2:1 durch Willi Sanou war höchst unglücklich abgefälscht. In den Fernsehbildern sieht es so aus, als würde Fromlowitz den Ball halten können. Nach der Berührung durch Hanke ist er chancenlos.
3. Der Freistoß von Huszti an die Unterkante der Latte hätte einen Treffer verdient gehabt. Ein unglaublicher Strahl, Mondragon ohne Chance. Aber der Ball tippt kurz vor der Linie auf - zum Glück.
4. Das Handspiel von Wome war grenzwertig. Nach konsequenter Regelauslegung ist die Entscheidung von Schiri Sippel wohl korrekt. Aber das stützt sich nur auf die Beurteilung der Frage, ob das Handspiel absichtlich war oder nicht. Da kann man so entscheiden, wie es Sippel tat. Aber die Hand ging zum Ball und verhinderte eine glasklare Torchance. Sowas wird nicht selten gepfiffen.
Und doch ist klar, dass man sich Glück auch erarbeiten muss. Und das hat die Mannschaft getan. Deshalb war der Sieg nicht unverdient und genau deshalb kann man fast sicher sagen: Wer so Spiele gewinnt, der steigt nicht ab. Andere Vereine werden mit solchen Siegen sogar Meister. (Aber das sind andere Vereine, nicht der FC. Nur um Missverständnissen vorzubeugen.
)
Bei genauer Betrachtung gibt es doch noch ein paar kleine, aber feine Unterschiede zum Sieg gegen Hannover aus dem Jahr 2000. Damals war der Sieg verdienter und die Tore schöner. Das unfassbare “Aufstiegstor” zum 4:3 durch Alex Voigt ist für mich noch immer der größte FC-Moment der letzten 18 Jahre. Dafür ging es damals aber zwei Jahre später wieder runter. Und das wird es dieses Mal nicht.
Wirklich nicht. Niemals.
Derbysieg zur Tabellenführung!
Dank einer ganz starken Mannschaftsleistung hat der 1. FC Köln am Freitag Abend das Derby gegen Leverkusen gewonnen. Zwei Standardsituationen brachten unsere schon in der ersten Hälfte auf die Siegerstraße: Zunächst konnte die Leverkusener Hintermannschaft einen Freistoß von Mike Wunderlich nur ins eigene Tor klären, kurz vor der Halbzeit schoss Wunderlich dann direkt und sehenswert ein.
Damit schaffte die Mannschaft, gerade erst aufgestiegen, sogar den Sprung die Tabellenspitze und ist bester Aufsteiger der Liga. Nach vier Spielen ohne Niederlage verspricht Trainer Frank Schäaefer aber jetzt nicht abzuheben: “Jetzt gilt es, auf dem Teppich zu bleiben und sich voll auf die beiden nächsten schwierigen Aufgaben in der Englischen Woche zu konzentrieren.”
War sonst irgendwas letzten Freitag?
Fakten zum Cottbus-Spiel
Die Fakten (optimistisch):
Der FC hat erstmal seit acht Jahren drei Bundesliga-Siege in Folge eingefahren. Und dabei den 2000. FC-Bundesligapunkt gemacht. Cottbus wurde klar dominiert und hatte keine einzige Torchance! Nach acht Spieltagen ist die FC-Abwehr die beste der Liga (neun Gegentreffer - in den letzten drei Spielen sogar nur ein einziger und der auch nur durch einen Torwartfehler). Der Qualifikationsplatz zur Champions League ist zwei mickrige Punkte entfernt, die Abstiegsrelegation acht Punkte. Bremen und die Bayern liegen in der Tabelle hinter uns, wenn Schalke morgen verliert auch die.
Wow, ich kann das internationale Geschäft schon riechen!
Die Fakten (pessimistisch):
Der klare Abstiegskandidat Cottbuss wurde zu Hause mühsam mit 1:0 besiegt, über 60 Minuten spielte man gar in Überzahl. Der FC hatte bisher eher “leichte” Gegner und muss bis zur Winterpause noch gegen sechs der sieben vor ihm platzierten Teams antreten. Die Tordifferenz ist trotz leichter Gegner und starker Abwehr negativ. Die Offensive ist die viertschlechteste der Liga (acht Tore in acht Spielen). Das Team ist von Novakovic und seinen Toren (bisher fünf) abhängig, nicht auszudenken er fiele aus oder träfe nicht mehr. Mondragon hat bereits mehrfach gepatzt diese Saison, gegen Cottbus gabs zum Glück nichts auf sein Tor.
Ohje, das kann ganz schnell alles bergab gehen mit dem FC!
Also, was sagt uns das? Nichts. Wirklich gar nichts. Nach acht Spieltagen sind wir kaum schlauer als vor der Saison. Also lassen wir uns überraschen. Am besten positiv und am besten schon kommenden Freitag in Leverkusen. Denn noch bin ich gehemmt, aber ich hab unmenschlich Bock auf Euphorie!!!
Endlich wieder Bayernjäger?
Nach sechs Spieltagen ist der FC doch tatsächlich nur einen Punkt hinter den großen Bayern. Vor der Saison hätte ich das natürlich sofort gekauft. Nun stellt sich die Lage aber differenzierter dar, nicht zuletzt weil die Bayern schlecht gestartet sind. Und trotzdem, es fühlt sich irgendwie gut an, erst recht nach dem hochverdienten Sieg gegen die Schalker gestern.
Es war ja auch ein großer Abend. Und ich hatte phasenweise auch das Gefühl, das der “Kicker” schließlich zu seiner Überschrift für den Spielbericht machte: “Köln führt Schalke vor“. Die Erinnerungen an das großartige Pokalspiel von vor zwei Jahren kamen nicht von ungefähr. Doch gerade jetzt sollte man sich von dem einen Spiel nicht blenden lassen. Es war gut, keine Frage. Aber es war nicht so gut, wie es jetzt alle machen. Genausowenig wie die Leistungen in den drei Spielen zuvor - trotz der Niederlagen - so schlecht waren.
Köln sah gestern aus zwei Gründen so bärenstark aus:
1. Weil von Schalke gestern wirklich gar nichts kam. Kein Einsatz, keine Spielkultur. Das war wirklich eines der schwächsten Teams, dass sich in letzter Zeit nach Müngersdorf getraut hat. Punkt um.
2. Weil man nicht viel vom FC erwartet hat. Mal im Ernst, wer hat nach den letzten drei Spielen damit gerechnet, dass Schalke hochverdient besiegt wird? Wohl die Wenigsten. Ich jedenfalls nicht. Und wenn man drei Spiele lang kaum einen Torschuss des eigenen Teams sieht, dann wirken 5-6 in einer Halbzeit plötzlich überragend.
Aber was, wenn der Kopfball von Halil Altintop in der 91. Minute rein geht? Dann hat man gegen einen ganz schwachen Gegner zu Hause nur einen Punkt geholt. Unverdient, klar, aber hätte die Tabelle dann endlich mal gelogen? Hätte sie nicht. Deshalb, es war eine wirklich starke Leistung und ein hochverdienter Erfolg. Ein Spiel, dass Hoffnung macht. Aber man sollte sich nicht davon blenden lassen. Die Bayern werden uns bald enteilen. Schalke wird um den Titel spielen. Und der FC sollte kommende Woche im Derby punkten, um etwas Abstand zu den Abstiegsplätzen vorzulegen. So siehts nämlich aus. Aller Euphorie zum Trotz.
PS: Ich bin nun zwei Wochen im Urlaub, weswegen es in dieser Zeit keine Beiträge und twitter-updates geben wird.
Eine Begegnung mit Besonderheiten
Ein Heimspiel gegen die Bayern ist eigentlich immer was besonderes. Ein HeimSIEG gegen die Bayern leider auch. Auch dieses Mal gingen unsere Mannen leer aus, obwohl wenn die Leistung über weite Strecken ganz gut war. Aber es fehlte das letzte bißchen Courage, der volle Mut, die Mannschaft hat doch ein wenig an sich gezweifelt. Sie hätte das Herz in die Hand nehmen müssen, dann wäre vielleicht was gegangen. Die Bayern waren ja nun wirklich nicht übermächtig. Schade, aber andererseits ist dem Team da kein Vorwurf zu machen, Selbstvertrauen ist schwierig zu befehlen. Mit dem ein oder anderen Sieg in den kommenden Wochen kommt das hoffentlich von alleine. Und die Leistung von Geromel war Weltklasse (obwohl Toni doppelt traf), “Dodo“, Petit und Marvin Matip waren ebenfalls bärenstark. Darauf lässt sich auf jeden Fall aufbauen. Wer sich nochmal bewegte Bilder ansehen will, kann das übrigens bei 101greatgoals.com tun.
Da sich auf dem Rasen also nicht viel Überraschendes tat, suchte sich das Publikum wohl andere Beschäftigung. Und fand sie - natürlich - in Bayern-Stürmer Lukas Podolski. Dieser wurde schon vor seiner Einwechslung minutenlang gefeiert, dann bereitete er das zweite Tor vor und erzielte das Dritte selbst. Und wieder jubelt das Kölner Publikum. Und als krönenden Abschluss macht es mit Poldi die Welle. DAS war auch was Besonderes. Es wirft spätestens im Rückblick aber einige Fragen auf, die Philipp Selldorf bei den 11 Freunden treffend formuliert: “Darf man einem Spieler der gegnerischen Mannschaft während der Partie so haltlos zujubeln? Selbst dann, wenn es ein Kölner in der Verkleidung eines Münchners ist?” Einige formulieren ihre Position dazu eindeutig und drastisch, wie beispielsweise Mirai Torres.
Aber halten wir doch erstmal fest, was dafür spricht: Poldi stammt aus der eigenen Jugend, hat elf Jahre für den FC gespielt. Er hat viele wichtige und schöne Tore geschossen und ging nach dem Abstieg 2004 - trotz zahlreicher anderer Optionen - mit dem FC in die zweite Liga. Er bekennt sich noch heute zum Verein und macht kein Geheimnis daraus, dass er sich vorstellen kann wieder zurückzukehren. Und selbst nach einem Tor gegen den FC feiert er nicht unnötig. Das ist wunderbar so. Poldi verhält sich vorbildlich und es ist daher eine Selbstverständlichkeit, dass er in Müngersdorf nicht ausgepfiffen, sondern freundlich empfangen wird.
Und doch trägt er das Trikot des FC Bayern, er ist aus freien Stücken dort hin gegangen. Er hätte auch beim FC bleiben können, hatte sogar noch Vertrag. Damit will ich nicht sagen, dass er hätte bleiben sollen. Sein Abschied war nach dem Abstieg 2006 vorhersehbar und seine Entscheidung für die Bayern völlig in Ordnung. Da ist ihm kein Vorwurf zu machen. Aber andererseits ist die Tatsache nicht zu ignorieren, dass er nun für den FC Bayern spielt. Und das ist nicht der 1. FC Köln. Ein Milivoje Novakovic spielt dagegen für den FC. Und der wundert und ärgert sich in meinen Augen zurecht über die Poldi-Show im Stadion, insbesondere nachdem dieser auch noch das 0:3 erzielt hatte.
Jeder von uns FC-Fans würde immer unterschreiben, dass der FC wichtiger ist, als das Schicksal einzelner Spieler. Sogar wichtiger als Overrath, Schuhmacher, Littbarski und erst recht wichtiger als Lukas Podolski, der bei allem Respekt für seine Leistungen nicht an den Status der vorgenannten heran kommt. Und wenn der FC wichtiger ist als einzele Spieler, dann muss ich die Spieler mit dem Geissbock auf der Brust feiern. Und nicht die mit dem Bayern-Wappen. Einen Lukas Podolski sollte man freundlich empfangen. Aber die Verherrlichung am letzten Samstag, das war nichts anderes als eine kollektive Peinlichkeit.
Ümit Özat - Büyük Kaptan!
Wer das Spiel in Karlsruhe gesehen hat, wird sich sicher lange daran erinnern. Nicht unbedingt an die Tore, die waren nicht sonderlich spektakulär. Und auch sonst war es kein großes Fußballspiel. Nein, es sind die Bilder des bewusstlosen Ümit, die haften bleiben werden. Auch wer die Szenen jetzt nochmal sieht kann sich dem wohl nicht ganz entziehen:
Ein Einschnitt wie dieser ist vielleicht eine passende Gelegenheit, die Person Ümit Özat und seine Rolle beim FC zu beleuchten.
Ümit Özat, geboren 1976 in Ankara, hat eine sportlich beeindruckende Vita hinter sich: Nach erfolgreichen Anfängen bei Gençlerbirligi Ankara, die ihn bis in die türkische Nationalelf trugen, gings über Bursaspor zu einem der drei istanbuler Topclubs - Fenerbahçe. Dort wurde er drei mal türkischer Meister, spielte 16 Spiele in der Champions League (plus vier in der CL-Quali) und erreichte mit der Nationalmannschaft den dritten Platz bei der WM 2002. Im Sommer 2007 kam dann der Wechsel zum FC, seine erste Auslandsstation.
Wer sich fragte, warum solch ein Hochkaräter beim FC landete (noch dazu in der 2. Liga), der kam schnell dahinter. Ümit präsentierte sich mit seinem knapp 31 Jahren nicht mehr richtig auf der Höhe. Zwar zeigte er eine enorme Ruhe am Ball, starke Pässe und viel Übersicht. Ganz zu schweigen von gefährlichen Standards. Doch seine Schnelligkeitsdefizite waren auch nicht zu übersehen. Ümit war weit von einer Champions League-Verfassung entfernt und Befürchtungen, dass hier einer im Herbst seiner Karriere nochmal abkassieren wollte, machten die Runde. Aber auch wenn Ümit langsam und irgendwie nicht wettbewerbsfähig wirkte, er hatte - kaum beachtet - in der letzten Saison die besten Zweikampfwerte (+60%) der ganzen Mannschaft! Er war eine tragende Säule des Aufstiegsteams (9 Torvorlagen, ebenfalls Topwert). Nach anfänglichen Zweifeln musste man anerkennen, dass er mit seiner Erfahrung und Übersicht die vorhandenen Schwächen ausreichend überspielen konnte. Und er hat sich immer reingehängt, kämpferische Defizite konnte man ihm nicht nachsagen.
Die letzten Zweifel hat er dann im Sommer 2008 ausgeräumt. Wer in der Saisonpause 6-8 Kilo abnimmt, der ist entweder todkrank oder arbeitet eisern an seinen Zielen. Ich habe mich schon damals gefragt, wie man als Leistungsportler soviel abnehmen kann. Aber gut, Ümit Özat traute man etwas Übergewicht zu. Nach den Ereignissen vom Freitag abend sieht man die Aktion vermutlich nochmal in einem anderen Licht, aber fest steht, dass eine solche Aktion eine klares Statement ist. Der Mann gibt alles für den FC, er hat große Ziele und tut was er für richtig hält, um sie zu erreichen. Das ist von Söldnertum weit entfernt. Nicht nur die Szene mit Mondragon nach dem Schlusspfiff gegen Mainz, als sich beide mit Tränen in den Augen in den Armen lagen, versinnbildlicht das. Auch dass er, nachdem er in Karlsruhe wieder bei Bewusstsein war, sofort wieder auf den Platz wollte, spricht Bände. Ümit lebt Fußball und lebt den FC. Es ist nur folgerichtig, dass er auch Kapitän dieser Mannschaft ist. Er ist kämpferisches Vorbild, hat Führungsqualitäten und sehr schnell ausreichend deutsch gelernt. Und er ist sogar irgendwie ne coole Sau, mich hat schon von Beginn an beeindruckt, dass er noch angekotzter schauen kann, als ein gerade getunnelter Luís Figo.
Andererseits sollte man ihn natürlich nicht glorifizieren. Er hat weiter Schnelligkeitsdefizite. Außerdem kann ich mich - trotz seiner 1,86 Meter - an kein gewonnenes Kopfballduell erinnern. Und falls sein Zusammenbruch wirklich auf zu wenig zu Essen und Trinken zurückzuführen ist, so ist das tatsächlich sowas wie unprofessionelles Verhalten.
Und doch, niemand kann diesem Mann vorwerfen, er identifiziere sich nicht mit dem FC. Und allein dafür gebührt im große Anerkennung. Ümit Özat - Büyük Kaptan!
FC.zwitschern
Nun war es ein paar Tage ruhig hier. Zum Spiel gegen Frankfurt gibt es auch wirklich nicht viel zu sagen. Da war man einfach zu blöd für drei Punkte gegen einen eigentlich indiskutablen Gegner. Das Elfmetergeschenk muss man annehmen und man darf sich beim Stand von 1:0 von der Harmlosigkeit der Frankfurter auch nicht so einlullen lassen. Na gut, kann mal passieren, sollte aber nicht mehr oft passieren in dieser Saison. Und immerhin, die übliche Panik nach zwei nicht gewonnen Spielen blieb bisher aus. Wenigstens das ist ein einigermaßen bemerkenswerter Fakt. Ach ja, und wer nochmal kurz hinsehen will, kann dies hier tun.
Was wirklich Neues gibt es in eigener Sache zu berichten. Ich nutze privat seit einiger Zeit “Twitter“, einen so genannten “mikro-blogging“-Dienst. Ich weiss nicht wie bekannt Twitter mittlerweile ist, vermutlich werden Viele noch nie davon gehört haben. Es ist auch nicht ganz einfach zu erklären, der Versuch von Wikipedia ist jedenfalls nicht sehr gelungen. Etwas besser ist ein Text beim WDR, außerdem gibts ein ausführliches Video beim “Elektrischen Reporter“. Mir ist jedenfalls aufgefallen, dass es bei Twitter noch nichts zum 1. FC Köln gibt. Nicht der FC selber und auch sonst niemand “twittert” über die neuesten Entwicklungen beim FC. Dabei bietet sich das Format durchaus sehr an, um schnell über aktuelle Geschehnisse zu berichten. Es hat das Potential zum echten Info-Dienst. Aufs Handy, via Instant Messanger, auf der Twitter-Webseite - es gibt zahlreiche Wege die maximal 140 Zeichen langen Mitteilungen zu empfangen, ich selber nutze die Firefox-Erweiterung “twitterfox“. Es gibt aber etliche weitere Tools rund um Twitter, eine Auswahl findet sich z.B. auf karrierebibel.de. Da es also bisher keinen FC-Tweet gibt, und weil ich beruflich eh den ganzen Tag am Rechner sitze (und dabei leider regelmäßig checke, was es so Neues vom FC gibt), werde ich ab sofort via Twitter alles News zum FC weiter verbreiten und hoffe, dass es einige von Euch nützlich finden. Ich bin wirklich gespannt wie das mit der Zeit angenommen wird, auch wenn sich das für Viele derzeit wohl noch ziemlich nerdig anhört. Aber lassen wir uns überraschen.
Also: Wer den geissblog-Tweets ab sofort folgen möchte, der gehe zu: http://twitter.com/geissblog.
Keine Punkte in Wolfsburg, aber…
… wollen wir mal nicht vergessen, dass der FC die Klasse halten will (zugegeben, gerne auf einem Mittelfeldplatz) und Wolfsburg auf die Champions League schielt. Da ist eine Auswärtsniederlage kein Beinbruch. Es gibt ja auch durchaus Positives zu berichten:
1. Novakovic trifft auch in der Bundesliga. Ein wunderbarer Treffer des Slowenen, obwohl das Kopfballspiel nicht zu seinen Stärken gehört, sah das 1:0 richtig gut aus. Der Mann wird auch in der Bundesliga seiner Tore machen. Vielleicht keine 20 wie in der letzte Saison, aber zweistellig wirds jede Wette.
2. Mondragon ist zwar 37 Jahre alt, hat aber dennoch gutes Bundesliganiveau. Mehrere gute Aktionen verdeutlichten das. Auch wenn er sich beim 2:0 verspekuliert hat. Aber das kann auch bei einem Mann dieser Klasse immer mal passieren, ich bin optimistisch, dass er uns noch so einige Punkte retten wird.
3. Petit ist die erhoffte Verstärkung im Mittelfeld. Auch im zweiten Pflichtspiel war er die zentrale Figur im Kölner Mittelfeld. Und er hat noch Luft nach oben.
Klar, der wichtigste Fakt des Nachmittags ist, dass der FC keine Punkte geholt hat. Aber das Spiel ist kein Grund den Mut zu verlieren. Gegen Frankfurt steht man jetzt zwar durchaus etwas unter Druck, aber letztlich hat man Druck in jedem Bundesligaspiel.
Zugegeben, man könnte auch eine Negativliste erstellen. Vielleicht nächste Woche nach einem Sieg gegen Frankfurt.
PS: Bewegte Bilder vom Spiel gibts derzeit hier.

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