Hut ab, Fabrice!
Ein wenig kann einem Bochum schon leid tun. 17 Spiele, 11 Punkte, nur ein Sieg und dann auch noch das bittere 1:2 gegen den FC. Obwohl man die bessere Mannschaft stellte und auf den Sieg drückte verlor man in den Schlussminuten sogar noch den einen Punkt. Alle Kölner Anhänger können dagegen mit 22 Punkten beruhigt in die Winterpause gehen, neun Punkte Vorsprung sind ein ordentliches Polster auf die Abstiegsplätze. Fünf Siege in der Rückrunde sollten nun schon zum Klassenerhalt reichen.
Neben diesen Fakten gibt es aber noch eine weitere Erkenntnis des gestrigen Abends: Das Team kann Ausfälle verkraften, auch die Ersatzspieler haben Bundesligaformat. Ein Marvin Matip ist immer eine Bank, ein McKenna hängt sich stets rein und Manasseh Ishiaku hat in seinen Einsätzen angedeutet, dass er in der Rückrunde ein ganz wichtiger Spieler sein kann. Natürlich sind ein Adil Chihi, ein Willi Sanou und viele weitere unter ihren Möglichkeiten geblieben, auch Stammspieler wie Roda Antar. Aber letztlich hat die Mannschaft insgesamt, und nicht nur die erste Elf, das Zeug für die Bundesliga. Und das ist die wichtigste Erkenntnis der Hinrunde und insbesondere des gestrigen Spiels.
Und genau deshalb täte der FC im Winter gut daran, die Kohle beisammen zu halten und nicht groß auf dem Transfermarkt zuzuschlagen. Dies nicht nur im Hinblick auch einen möglichen und wohl nicht billigen Poldi-Transfer im Sommer. Sondern weil wirkliche Verstärkungen nicht auf dem Markt sein werden. Im Winter laufen keine Verträge aus. Wer wechselt hat also entweder sportliche oder persönliche Probleme in seinem Verein, oder ist nur über eine hohe Ablöse zu bekommen. Spieler wie zum Beispiel ein Hildebrand sind bzw. waren da die absolute Ausnahme. In der Überzeugung, dass die Mannschaft den Klassenerhalt letztlich halbwegs souverän schaffen wird, sollte man sich also schon jetzt auf die Sommertransfers konzentrieren.
Ein letztes Wort zu gestern: Auch wenn Ishiaku gefeiert wurde, der Matchwinner war Fabrice Ehret. Ein solches Solo über knapp 80 Meter hab ich schon ewig nicht mehr von einem FC-Spieler gesehen. Klar, er spielt nicht acht Bochumer aus. Aber schon die Balleroberung zeigt einen absoluten Willen, wie auch das Zweikampfverhalten im Duell mit Maltritz. Und dann nach so einem Sprint noch den mitgelaufenen Ishiaku zu sehen und den Ball so uneigennützig wie mustergültig aufzulegen: Hut ab, Fabrice.
Kommentare
5 Kommentare zu “Hut ab, Fabrice!”
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Danke, dass das mal jemand anderes sagt. Ich rede mir ja seit Monaten den Mund fuselig, dass Ehret auf der offensiven Außen ein richtig Guter ist.
ja das war schon großes Kino
Ehret hatte aufjedenfall den größten Anteil an dem Tor. Aber Ishiaku wird es auch gut getan haben – ich finde er ist noch nicht richtig in Köln angekommen…
@patrick: ja, keine frage. aber was will man machen, wenn derkörper nicht mitspielt… hoffen wir, dass er in der rückrunde voll durchstartet!
[...] Er ist also fraglos kein kommender Weltstar, verfügt aber über seine Qualitäten. Letztlich ist er vor allem deshalb so umstritten, weil sich die Leute an Fehler wie gegen Freiburg erinnern. Hätte er etwas mehr Glück gehabt und wären die Situationen glimpflich ausgegangen, dann hätte Marvin weiterhin einen guten Ruf und stünde nicht so sehr in der Kritik. Dummerweise haftet ihm nun das Image als Gefahrenherd und Tölpel an, an das sich die Leute bei jeder nicht 100% gelungenen Aktion erinnern. Selbst gute Aktionen werden ihm nun bisweilen negativ ausgelegt, wie jüngst gegen Frankfurt: Da eroberte er kurz vor Schluss am gegnerischen Strafraum denn Ball, legte mustergültig und mit viel Übersicht quer zu Ishiaku, der den Ball am leeren Tor vorbei schob. Die Reaktionen auf diese Szene sagen sehr viel aus: Matip wurde nämlich dafür kritisiert, dass er nicht selber den Abschluss gesucht hatte, es sei ein weiterer Beweis für seine Unfähigkeit. Ein unfassbar unfaires Urteil! Was kann er dafür, dass Ishiaku das Ding nicht macht? Hätte Ishiaku den Ball versenkt, dann wäre dieser für das Tor gefeiert worden und über Matip hätte niemand ein Wort verloren. Wie es ähnlich beim 2:1 in Bochum passierte, als Ishiaku traf und umjubelt wurde, der Ruhm aber eigentlich Ehret gebührte. [...]