FC vs. Wolfsburg – eine Rückvorschau
Wolfsburg. Brrr. Seit 1995 kommen bei dem Wort Abneigung, Ehrfurcht und Verachtung in mir hoch. Noch zu gut kann ich mich an das damalige Pokalhalbfinale erinnern. Das Müngersdorfer Stadion war Schauplatz einer der bittersten Niederlagen der FC-Geschichte. Der niedersächsische Zweitligist und Emporkömmling gewann beim hohen Favoriten durch ein Tor des damals schon 35jährigen Siegfried Reich mit 1:0 und zu allem Überfluss wartete im Finale auch noch Gladbach. Der Schock saß tief, denn Mitte der 1990er Jahre rechnete man als FC-Fan noch nicht mit ständigen Tiefschlägen, sondern sah eigentlich jedem Spiel optimistisch entgegen. Auch wenn die ganz große Zeit schon ein paar Jahre vorbei – eine Niederlage gegen Wolfsburg war eigentlich vorstellbar. (Für die Jüngeren: ja, so Zeiten gab es!) Und auch nach 1995 setzte es zahlreiche scheußliche Reinfälle gegen die Mannen aus der selbsternannten Autostadt. Wolfsburg. Seit knapp 14 Jahren versuche ich nun schon zu vergessen – ohne Erfolg. Der Stachel sitzt noch immer tief.
Mit Blick auf das morgige Spiel lässt sich immerhin feststellen, dass die reale Heimbilanz besser ist als die gefühlte, die Zahlen sprechen von einem 2-1-2 bei 10:10 Toren. Die Auswärtsbilanz sollte man sich als FC-Fan aber lieber nicht geben. Auch die Tatsache, dass Wofsburg – ich glaub ich sprech ab jetzt nur noch von VW, das ruft nicht ganz so negative Assoziationen hervor -, dass also VW in dieser Saison noch kein Auswärtsspiel gewonnen hat, macht nicht wirklich Mut. Denn zweifelsohne ist auch dem aktuellen FC-Team zuzutrauen diese Serie zu beenden. Insbesondere da mit Geromel und Novakovic die wichtigsten Säulen der Hinrunde (nach den lächerlichen gelb-roten Karten aus Bochum) fehlen werden, und mit Womé ein weiterer Stammspieler ausfällt. Bei VW fehlt nur Dejagah, Felix Magath kann es sich sogar leisten grob geschätze zehn Profis gar nicht erst in den Kader zu berufen.
Und doch, morgen muss man gegen VW punkten. Zum einen weil ein Fehlstart unweigerlich die Rückkehr des Abstiegskampfes bedeutet, was um jeden Preis verhindert werden muss. Und zum anderen weil niemand ernsthaft behaupten kann, dass man in einem Heimspiel gegen ein nur vier Punkte besser platziertes Team keinen Punkt einkalkuliert. Also vergessen wir Statistiken und unselige Vergangenheit und blicken mal auf die Ergebnisse der Wintervorbereitung.
Die voraussichtliche Aufstellung sieht wohl wie folgt aus: Mondy – Matip, Dodo, McKenna, Brecko – Ehret, Petit, Antar, Yalcin – Ishiaku, Radu. Ggf. auch Pezzoni statt Antar oder Yalcin, unter Umständen auch statt Radu. Alle andere sind wohl gesetzt. Im Vergleich zum Stamm der Hinrunde fehlen also Geromel, Novakovic und Womé sowie Pezzoni, und keinen davon kann man als Verlierer der Vorbereitung bezeichnen. Verlierer sind eher diejenigen, die es trotzdem nicht in die Startaufstellung geschafft haben, vor allem Vucicevic, Broich, Sanou und Chihi. Bei diesen stellt sich damit unweigerlich die Frage nach der Zukunft beim FC (was aber ein andermal diskutiert werden soll). Klare Gewinner sind einmal Roda Antar, der gegen Ende der Hinrunde abgemeldet war und dem Wechselabsichten nachgesagt wurden, der sich aber trotzdem reinhängte und eine ganz starke Vorbereitung spielte. Hut ab. Und zum anderen Taner Yalcin, der in der Hinrunde noch meist in der U19 am Ball war – mehr Gewinner geht nicht. Und dann vielleicht noch Marvin Matip von dem man aber schon länger weiss, dass er ein ganz wichter Spieler ist (auch wenn es sich in den Einsatzzeiten nicht immer widerspiegelt).
Also hoffen wir, dass die Gewinner nicht am Samstag schon wieder Verlierer sind. Es ist Zeit das VW-Trauma Stück für Stück hinter sich zu lassen. Und da würde zumindest ein Punkt schon ein klein wenig weiterhelfen.
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