Ümit Özat - Büyük Kaptan!
Wer das Spiel in Karlsruhe gesehen hat, wird sich sicher lange daran erinnern. Nicht unbedingt an die Tore, die waren nicht sonderlich spektakulär. Und auch sonst war es kein großes Fußballspiel. Nein, es sind die Bilder des bewusstlosen Ümit, die haften bleiben werden. Auch wer die Szenen jetzt nochmal sieht kann sich dem wohl nicht ganz entziehen:
Ein Einschnitt wie dieser ist vielleicht eine passende Gelegenheit, die Person Ümit Özat und seine Rolle beim FC zu beleuchten.
Ümit Özat, geboren 1976 in Ankara, hat eine sportlich beeindruckende Vita hinter sich: Nach erfolgreichen Anfängen bei Gençlerbirligi Ankara, die ihn bis in die türkische Nationalelf trugen, gings über Bursaspor zu einem der drei istanbuler Topclubs - Fenerbahçe. Dort wurde er drei mal türkischer Meister, spielte 16 Spiele in der Champions League (plus vier in der CL-Quali) und erreichte mit der Nationalmannschaft den dritten Platz bei der WM 2002. Im Sommer 2007 kam dann der Wechsel zum FC, seine erste Auslandsstation.
Wer sich fragte, warum solch ein Hochkaräter beim FC landete (noch dazu in der 2. Liga), der kam schnell dahinter. Ümit präsentierte sich mit seinem knapp 31 Jahren nicht mehr richtig auf der Höhe. Zwar zeigte er eine enorme Ruhe am Ball, starke Pässe und viel Übersicht. Ganz zu schweigen von gefährlichen Standards. Doch seine Schnelligkeitsdefizite waren auch nicht zu übersehen. Ümit war weit von einer Champions League-Verfassung entfernt und Befürchtungen, dass hier einer im Herbst seiner Karriere nochmal abkassieren wollte, machten die Runde. Aber auch wenn Ümit langsam und irgendwie nicht wettbewerbsfähig wirkte, er hatte - kaum beachtet - in der letzten Saison die besten Zweikampfwerte (+60%) der ganzen Mannschaft! Er war eine tragende Säule des Aufstiegsteams (9 Torvorlagen, ebenfalls Topwert). Nach anfänglichen Zweifeln musste man anerkennen, dass er mit seiner Erfahrung und Übersicht die vorhandenen Schwächen ausreichend überspielen konnte. Und er hat sich immer reingehängt, kämpferische Defizite konnte man ihm nicht nachsagen.
Die letzten Zweifel hat er dann im Sommer 2008 ausgeräumt. Wer in der Saisonpause 6-8 Kilo abnimmt, der ist entweder todkrank oder arbeitet eisern an seinen Zielen. Ich habe mich schon damals gefragt, wie man als Leistungsportler soviel abnehmen kann. Aber gut, Ümit Özat traute man etwas Übergewicht zu. Nach den Ereignissen vom Freitag abend sieht man die Aktion vermutlich nochmal in einem anderen Licht, aber fest steht, dass eine solche Aktion eine klares Statement ist. Der Mann gibt alles für den FC, er hat große Ziele und tut was er für richtig hält, um sie zu erreichen. Das ist von Söldnertum weit entfernt. Nicht nur die Szene mit Mondragon nach dem Schlusspfiff gegen Mainz, als sich beide mit Tränen in den Augen in den Armen lagen, versinnbildlicht das. Auch dass er, nachdem er in Karlsruhe wieder bei Bewusstsein war, sofort wieder auf den Platz wollte, spricht Bände. Ümit lebt Fußball und lebt den FC. Es ist nur folgerichtig, dass er auch Kapitän dieser Mannschaft ist. Er ist kämpferisches Vorbild, hat Führungsqualitäten und sehr schnell ausreichend deutsch gelernt. Und er ist sogar irgendwie ne coole Sau, mich hat schon von Beginn an beeindruckt, dass er noch angekotzter schauen kann, als ein gerade getunnelter Luís Figo.
Andererseits sollte man ihn natürlich nicht glorifizieren. Er hat weiter Schnelligkeitsdefizite. Außerdem kann ich mich - trotz seiner 1,86 Meter - an kein gewonnenes Kopfballduell erinnern. Und falls sein Zusammenbruch wirklich auf zu wenig zu Essen und Trinken zurückzuführen ist, so ist das tatsächlich sowas wie unprofessionelles Verhalten.
Und doch, niemand kann diesem Mann vorwerfen, er identifiziere sich nicht mit dem FC. Und allein dafür gebührt im große Anerkennung. Ümit Özat - Büyük Kaptan!
Kommentare
8 Kommentare zu “Ümit Özat - Büyük Kaptan!”
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Ich mag das was du hier machst.Schön neutral geschriebene Artikel.Echt Gut.
guter artikel, nur dass ümit keine kopfballduelle gewinnt, ist völlig falsch.
er mag garantiert defizite haben und auf seiner position gibt es mit sicherheit in der bundesliga einige bessere.
aber er lebt für den fc und gibt alles im rahmen seiner vorhandenen möglichkeiten. und das ist mir allemal lieber als ein hochbezahlter star, dem der verein am arsch vorbei geht.
@joe: vielleicht gewinnt er welche. ich sag ja nur, dass ich mich an kein gewonnenes duell erinnern kann.
Guter Artikel, Dankeschön. Nur das mit den Kopfbällen sehe ich anders
Also ich habe auch mal in drei Monaten 10 Kilo abgenommen. Als ich mit dem Laufen angefangen habe.
Ansonsten würde ich Deine Einschätzung des Spielers teilen, wobei seine Schnelligkeitsdefizite aktuell kaum ins Gewicht fallen. Dafür ist sein Stellungsspiel meistens einfach zu gut und er hat mit Geromel einen sehr viel besseren Nebenmann als noch in der letzten Saison.
Man sollte bei Fußballern, vor allem wenn sie recht spät ins Ausland wechseln, die soziale Komponente nicht vergessen. Die wechseln im Zweifel auch gerne dahin, wo sie schon jemanden kennen. Das nimmt die Angst vor der Fremde. Ümit kannte hier Daum. Ein anderer Fall ist Petit: Dessen Bruder lebt in Luxemburg, was vergleichsweise um die Ecke ist. Zumindest wenn die Alternativen England oder Russland heißen.
junge - ümit ist doch nicht 1,86 meter groß! der ist 1,68… alter schwede! hast dir schonmal n spiel angeschaut? ümit = klein, nicht riese!
@rehmario: ich hab ihn nie selbst vermessen, glaube aber den angaben von kicker, wikipedia, transfermarkt.de etc. typischer fall von scheinzwerg. (c: