Warum das Spiel in Bochum ein Fortschritt war

Eine “müde Nullnummer” bei einem Abstiegskandidaten. So kann man das Spiel vom letzten Freitag sehen. Und man kann auf den FC uns sein aktuelles Team weiter eindreschen. Muss man aber nicht, ich jedefnfalls war völlig zufrieden mit dem Spiel. Und zwar aus folgenden Gründen:

1. Das Team hat agressiv gespielt, niemand hat sich hängen lassen, der Einsatz war 100% in Ordnung. Auch ein Nova hat trotz der Querelen alles gegeben und über das Kämpferherz eines Fabrice Ehret muss man eh keine Worte mehr verlieren.

2. Die Jungs haben Bochum früh gestört und unter Druck gesetzt, ohne gefährlich Konter zuzulassen. Das spricht für eine sehr gute Organisation.

3. Der FC hatte klare Tormöglichkeiten (Petit, Nova), es fehlten nur Millimeter zum Sieg. Das war ein Stück weit Unvermögen, noch mehr aber einfach Pech. So Dinger gehen an anderen Tagen rein, daher ist es ein gutes Zeichen sich solche Chancen erarbeitet zu haben.

Aber das wichtigste:

4. Der FC hat versucht Fußball zu spielen! Zuletzt wurde das nicht einmal versucht, weswegen man sich zB für die 3 Punkte in Berlin beinahe schämen musste. Jeder Ball wurde lang nach vorne gekloppt. Ein geordneter Spielaufbau war nicht vorhanden, weil das Team diesen gar nicht wollte. Selbst wenn man Platz hatte. Dodo am Ball – BUMM!! Rückpass zu Mondy – BUMM!! Das hatte nichts mir Fußball zu tun, sondern war ein noch schlimmeres Gebolze als unter Christoph Daum. Das war gegen Bochum besser. Zwischendrin gab es Versuche eines Spielaufbaus über Petit, Maniche und Pezzoni. Und siehe da: Es tat gar nicht weh. Wenn die Jungs aus dem Spiel den Gedanken mitnehmen, dass man Fußball auch spielen kann, es nichtmal ein Nachteil sein muss, dann bin ich guten Mutes für das Spiel gegen Bremen.

Wie ein Zweitligist im Pokal

“Ein Punkt gegen Bielefeld – das ist zu wenig!” Solche Sprüche waren gestern und heute des öfteren zu lesen und hören. Aber stimmt das auch? War das wirklich zu wenig? Oder sind vielmehr nur die Ansprüche nach einem überraschenden Sieg in München zu hoch gestiegen?

Lässt man das Spiel nochmal Revue passieren, dann war da sicher mehr drin. Das sahen auch die Spieler in ihren Statements nach dem Schlusspfiff so. Fraglos, Köln war das bessere Team, kontrollierte über weite Strecken Ball und Gegner. Bielefeld hatte genau eine Chance im ganzen Spiel, ein Kopfball von Wichniarek, und der war nicht drin. Der FC hätte schon zur Halbzeit eine deutliche Führung verdient gehabt. Aber dann kam leider der Aussetzer von Brecko.

Abstrahiert man aber etwas vom Spielgeschehen selber, dann ist der Punkt ein gewonnener Punkt. Dann macht einem das Spiel von gestern sogar Mut. Denn man hat einen direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt auf Distanz gehalten. Mit nun 29 Punkten liegt man ganz klar auf Kurs, hat in der Rückserie sogar schon drei Punkte mehr gesammelt, als in der Hinrunde gegen die selben Gegner. Man ist seit sechs Spielen ungeschlagen und so langsam fällt es schwer sich vorzustellen, dass der FC nochmal richtig unten reinrutscht. Die von Christoph Daum ausgegebene “Eichhörnchen-Taktik” funktioniert und ist angesichts der Tatsache, dass nach oben eh nix mehr geht (es gibt keinen UI-Cup mehr!), genau richtig. Und man darf auch nicht vergessen, welchen Weg der FC in den letzten zwei Jahren gegangen ist: Im Februar 2007 ging das Team nämlich noch 0:5(!) bei Rot-Weiss Essen(!) unter. Dagegen herrschen jetzt paradiesische Zustände. Da kann man auch mal einen Klopper wie den gestrigen von Miso Brecko wegstecken, zumal der bisher ja eine sehr solide Runde spielt.

Und noch was macht Mut: Der FC hat gestern wie selbstverständlich die Initiative übernommen. Und in der ersten Halbzeit auch kein schlechtes Spiel aufgezogen. Klar, das Ergebnis ist nicht optimal. Aber da zuletzt oft behauptet wurde, der FC tue sich schwer, wenn er das Spiel machen müsse, gilt es das Spiel gestern positiv zu werten. Wie twitterte HerrWieland von Königsblog gestern: “Wenn Bielefeld beim Aufsteiger Köln wie ein Zweitligist im Pokal agiert, sollte das die FC-Fans beruhigen können”. Drei Punkte hätten mehr beruhgt. Aber recht hat er trotzdem.

Das perfekte Auswärtsspiel

Bei den Bayern sah der FC in den letzten Duellen immer ganz gut aus. Dass es gestern aber zum großen Wurf gereicht hat, damit war wirklich nicht zu rechnen. Schließlich trat ein (wenn auch wackerer) Aufsteiger bei einem CL-Achtelfinalisten an. Und doch, gestern passte einfach alles, ein perfektes Auswärtsspiel:

1. Der FC hatte Glück mit dem Schiedsrichter. Her Rafati, sonst kein schlechter seiner Zunft, erkannte das 1:0 durch Klose nicht an. Puuh.

2. Christoph Daum schickte den 20jährigen Daniel Brosinksi zu seinem Bundesliga-Debüt auf das Feld. Bisher stand der genau zweimal im Kader. Eine verwegene Idee und dann macht der Junge so ein Spiel und trifft sogar zum wichtigen 0:2. Ein absoluter Traum.

3. Spieler, mit denen man lange Zeit nicht richtig warm wurde, spielen plötzlich ihre Stärken aus. Von Fabrice “DJ” Ehret ist man das seit einiger Zeit gewohnt, trotzdem unnachahmlich, wie er Demichelis vor dem 0:1 einfach stehen lässt. Und Nemanja Vucicevic, ständig zwischen Weltklasse und Kreisklasse changierend, aber eigentlich stets ineffektiv, spielt plötzlich öffnende Pässe und bringt nach seinen Dribblings den Ball zum Mitspieler. Hut ab.

4. Die Mannschaft hat sich zerrissen. Man konnte förmlich spüren, wie die Mannschaft Schmerzen litt. Brosinski ging völlig ausgepumpt vom Feld und über McKenna muss man eigentlich kein Wort mehr verlieren. Wurde von Klose richtig böse am ohnehin lädierten Knöchel erwischt… und kam trotzdem zurück aufs Feld und warf sich in jeden Ball.

5. Unglaublicher Support, wirklich ein “Heimspiel in München”. Die Leistung auf der Tribüne war genauso stark wie die auf dem Feld.

6. Und das alles an Karneval. Ein besseren Zeitpunkt für so einen Sieg gibt es nicht.

Etwas Glück, etwas Mut, etwas Können, etwas Aufopferung. Mehr brauchte es nicht für einen großartigen Nachmittag. Danke, Jungs!

FC vs. Wolfsburg – eine Rückvorschau

Wolfsburg. Brrr. Seit 1995 kommen bei dem Wort Abneigung, Ehrfurcht und Verachtung in mir hoch. Noch zu gut kann ich mich an das damalige Pokalhalbfinale erinnern. Das Müngersdorfer Stadion war Schauplatz einer der bittersten Niederlagen der FC-Geschichte. Der niedersächsische Zweitligist und Emporkömmling gewann beim hohen Favoriten durch ein Tor des damals schon 35jährigen Siegfried Reich mit 1:0 und zu allem Überfluss wartete im Finale auch noch Gladbach. Der Schock saß tief, denn Mitte der 1990er Jahre rechnete man als FC-Fan noch nicht mit ständigen Tiefschlägen, sondern sah eigentlich jedem Spiel optimistisch entgegen. Auch wenn die ganz große Zeit schon ein paar Jahre vorbei – eine Niederlage gegen Wolfsburg war eigentlich vorstellbar.  (Für die Jüngeren: ja, so Zeiten gab es!) Und auch nach 1995 setzte es zahlreiche scheußliche Reinfälle gegen die Mannen aus der selbsternannten Autostadt. Wolfsburg. Seit knapp 14 Jahren versuche ich nun schon zu vergessen – ohne Erfolg. Der Stachel sitzt noch immer tief.

Mit Blick auf das morgige Spiel lässt sich immerhin feststellen, dass die reale Heimbilanz besser ist als die gefühlte, die Zahlen sprechen von einem 2-1-2 bei 10:10 Toren. Die Auswärtsbilanz sollte man sich als FC-Fan aber lieber nicht geben. Auch die Tatsache, dass Wofsburg – ich glaub ich sprech ab jetzt nur noch von VW, das ruft nicht ganz so negative Assoziationen hervor -, dass also VW in dieser Saison noch kein Auswärtsspiel gewonnen hat, macht nicht wirklich Mut. Denn zweifelsohne ist auch dem aktuellen FC-Team zuzutrauen diese Serie zu beenden. Insbesondere da mit Geromel und Novakovic die wichtigsten Säulen der Hinrunde (nach den lächerlichen gelb-roten Karten aus Bochum) fehlen werden, und mit Womé ein weiterer Stammspieler ausfällt. Bei VW fehlt nur Dejagah, Felix Magath kann es sich sogar leisten grob geschätze zehn Profis gar nicht erst in den Kader zu berufen.

Und doch, morgen muss man gegen VW punkten. Zum einen weil ein Fehlstart unweigerlich die Rückkehr des Abstiegskampfes bedeutet, was um jeden Preis verhindert werden muss. Und zum anderen weil niemand ernsthaft behaupten kann, dass man in einem Heimspiel gegen ein nur vier Punkte besser platziertes Team keinen Punkt einkalkuliert. Also vergessen wir Statistiken und unselige Vergangenheit und blicken mal auf die Ergebnisse der Wintervorbereitung.

Die voraussichtliche Aufstellung sieht wohl wie folgt aus: Mondy – Matip, Dodo, McKenna, Brecko  – Ehret, Petit, Antar, Yalcin – Ishiaku, Radu. Ggf. auch Pezzoni statt Antar oder Yalcin, unter Umständen auch statt Radu. Alle andere sind wohl gesetzt. Im Vergleich zum Stamm der Hinrunde fehlen also Geromel, Novakovic und Womé sowie Pezzoni, und keinen davon kann man als Verlierer der Vorbereitung bezeichnen. Verlierer sind eher diejenigen, die es trotzdem nicht in die Startaufstellung geschafft haben, vor allem Vucicevic, Broich, Sanou und Chihi. Bei diesen stellt sich damit unweigerlich die Frage nach der Zukunft beim FC (was aber ein andermal diskutiert werden soll). Klare Gewinner sind einmal Roda Antar, der gegen Ende der Hinrunde abgemeldet war und dem Wechselabsichten nachgesagt wurden, der sich aber trotzdem reinhängte und eine ganz starke Vorbereitung spielte. Hut ab. Und zum anderen Taner Yalcin, der in der Hinrunde noch meist in der U19 am Ball war – mehr Gewinner geht nicht.  Und dann vielleicht noch Marvin Matip von dem man aber schon länger weiss, dass er ein ganz wichter Spieler ist (auch wenn es sich in den Einsatzzeiten nicht immer widerspiegelt).

Also hoffen wir, dass die Gewinner nicht am Samstag schon wieder Verlierer sind. Es ist Zeit das VW-Trauma Stück für Stück hinter sich zu lassen. Und da würde zumindest ein Punkt schon ein klein wenig weiterhelfen.

Hut ab, Fabrice!

Ein wenig kann einem Bochum schon leid tun. 17 Spiele, 11 Punkte, nur ein Sieg und dann auch noch das bittere 1:2 gegen den FC. Obwohl man die bessere Mannschaft stellte und auf den Sieg drückte verlor man in den Schlussminuten sogar noch den einen Punkt. Alle Kölner Anhänger können dagegen mit 22 Punkten beruhigt in die Winterpause gehen, neun Punkte Vorsprung sind ein ordentliches Polster auf die Abstiegsplätze. Fünf Siege in der Rückrunde sollten nun schon zum Klassenerhalt reichen.

Neben diesen Fakten gibt es aber noch eine weitere Erkenntnis des gestrigen Abends: Das Team kann Ausfälle verkraften, auch die Ersatzspieler haben Bundesligaformat. Ein Marvin Matip ist immer eine Bank, ein McKenna hängt sich stets rein und Manasseh Ishiaku hat in seinen Einsätzen angedeutet, dass er in der Rückrunde ein ganz wichtiger Spieler sein kann. Natürlich sind ein Adil Chihi, ein Willi Sanou und viele weitere unter ihren Möglichkeiten geblieben, auch Stammspieler wie Roda Antar. Aber letztlich hat die Mannschaft insgesamt, und nicht nur die erste Elf, das Zeug für die Bundesliga. Und das ist die wichtigste Erkenntnis der Hinrunde und insbesondere des gestrigen Spiels.

Und genau deshalb täte der FC im Winter gut daran, die Kohle beisammen zu halten und nicht groß auf dem Transfermarkt zuzuschlagen. Dies nicht nur im Hinblick auch einen möglichen und wohl nicht billigen Poldi-Transfer im Sommer. Sondern weil wirkliche Verstärkungen nicht auf dem Markt sein werden. Im Winter laufen keine Verträge aus. Wer wechselt hat also entweder sportliche oder persönliche Probleme in seinem Verein, oder ist nur über eine hohe Ablöse zu bekommen. Spieler wie zum Beispiel ein Hildebrand sind  bzw. waren da die absolute Ausnahme. In der Überzeugung, dass die Mannschaft den Klassenerhalt letztlich halbwegs souverän schaffen wird, sollte man sich also schon jetzt auf die Sommertransfers konzentrieren.

Ein letztes Wort zu gestern: Auch wenn Ishiaku gefeiert wurde, der Matchwinner war Fabrice Ehret. Ein solches Solo über knapp 80 Meter hab ich schon ewig nicht mehr von einem FC-Spieler gesehen. Klar, er spielt nicht acht Bochumer aus. Aber schon die Balleroberung zeigt einen absoluten Willen, wie auch das Zweikampfverhalten im Duell mit Maltritz. Und dann nach so einem Sprint noch den mitgelaufenen Ishiaku zu sehen und den Ball so uneigennützig wie mustergültig aufzulegen: Hut ab, Fabrice.

“Und dann kam das 2:1 gegen Hannover…

… und der Trainer trank ein Kölsch, vielleicht auch zwei.”

Zugegeben, in der soeben zitierten “Heldensage vom heiligen Ewald” der Wise Guys geht es um ein 5:3. Doch ansonsten passt alles: Köln gewinnt erstmals seit acht Jahren gegen Hannover, die drei Punkte sind ein Riesenschritt nach vorn (damals der 1. Wiederaufstieg) und danach geht das Team feiern (Freitag abend nach Angaben des Trainers im Sportstudio bis fünf(!) Uhr morgens). Und die Fans sind anschließend euphorisch, verheißt die Zukunft doch nur Gutes.

Dazu gibt es alles Grund, denn ein Spiel wie das vom Freitag wäre in den letzten Jahren in acht von  zehn Fällen sogar verloren gegangen. Dieses Mal wurden drei Punkte gewonnen. Und vier Mal hatte der FC Glück:

1. Der Ausgleichstreffer durch Geromel war sehr knapp – zu knapp fürs menschliche Auge. Der Schiedsrichter und sein Assistent konnten niemals erkennen, ob der Ball wirklich mit vollem Umfang hinter der Linie war. Je nach Kameraperspektive sieht das anders aus. Letztlich scheint die Entscheidung korrekt gewesen zu sein. Aber manchmal ist auch eine richtige Schiedsrichterentscheidung einfach Glück.

2. Das 2:1 durch Willi Sanou war höchst unglücklich abgefälscht. In den Fernsehbildern sieht es so aus, als würde Fromlowitz den Ball halten können. Nach der Berührung durch Hanke ist er chancenlos.

3. Der Freistoß von Huszti an die Unterkante der Latte hätte einen Treffer verdient gehabt. Ein unglaublicher Strahl, Mondragon ohne Chance. Aber der Ball tippt kurz vor der Linie auf – zum Glück.

4. Das Handspiel von Wome war grenzwertig. Nach konsequenter Regelauslegung ist die Entscheidung von Schiri Sippel wohl korrekt. Aber das stützt sich nur auf die Beurteilung der Frage, ob das Handspiel absichtlich war oder nicht. Da kann man so entscheiden, wie es Sippel tat. Aber die Hand ging zum Ball und verhinderte eine glasklare Torchance. Sowas wird nicht selten gepfiffen.

Und doch ist klar, dass man sich Glück auch erarbeiten muss. Und das hat die Mannschaft getan. Deshalb war der Sieg nicht unverdient und genau deshalb kann man fast sicher sagen: Wer so Spiele gewinnt, der steigt nicht ab. Andere Vereine werden mit solchen Siegen sogar Meister. (Aber das sind andere Vereine, nicht der FC. Nur um Missverständnissen vorzubeugen. ;-) )

Bei genauer Betrachtung gibt es doch noch ein paar kleine, aber feine Unterschiede zum Sieg gegen Hannover aus dem Jahr 2000. Damals war der Sieg verdienter und die Tore schöner. Das unfassbare “Aufstiegstor” zum 4:3 durch Alex Voigt ist für mich noch immer der größte FC-Moment der letzten 18 Jahre. Dafür ging es damals aber zwei Jahre später wieder runter. Und das wird es dieses Mal nicht.

Wirklich nicht. Niemals.

Derbysieg zur Tabellenführung!

Dank einer ganz starken Mannschaftsleistung hat der 1. FC Köln am Freitag Abend das Derby gegen Leverkusen gewonnen. Zwei Standardsituationen brachten unsere schon in der ersten Hälfte auf die Siegerstraße: Zunächst konnte die Leverkusener Hintermannschaft einen Freistoß von Mike Wunderlich nur ins eigene Tor klären, kurz vor der Halbzeit schoss Wunderlich dann direkt und sehenswert ein.

Damit schaffte die Mannschaft, gerade erst aufgestiegen, sogar den Sprung die Tabellenspitze und ist bester Aufsteiger der Liga. Nach vier Spielen ohne Niederlage verspricht Trainer Frank Schäaefer aber jetzt nicht abzuheben: “Jetzt gilt es, auf dem Teppich zu bleiben und sich voll auf die beiden nächsten schwierigen Aufgaben in der Englischen Woche zu konzentrieren.”

War sonst irgendwas letzten Freitag? ;-)

Fakten zum Cottbus-Spiel

Die Fakten (optimistisch):

Der FC hat erstmal seit acht Jahren drei Bundesliga-Siege in Folge eingefahren. Und dabei den 2000. FC-Bundesligapunkt gemacht. Cottbus wurde klar dominiert und hatte keine einzige Torchance! Nach acht Spieltagen ist die FC-Abwehr die beste der Liga (neun Gegentreffer – in den letzten drei Spielen sogar nur ein einziger und der auch nur durch einen Torwartfehler). Der Qualifikationsplatz zur Champions League ist zwei mickrige Punkte entfernt, die Abstiegsrelegation acht Punkte. Bremen und die Bayern liegen in der Tabelle hinter uns, wenn Schalke morgen verliert auch die.

Wow, ich kann das internationale Geschäft schon riechen!

Die Fakten (pessimistisch):

Der klare Abstiegskandidat Cottbuss wurde zu Hause mühsam mit 1:0 besiegt, über 60 Minuten spielte man gar in Überzahl. Der FC hatte bisher eher “leichte” Gegner und muss bis zur Winterpause noch gegen sechs der sieben vor ihm platzierten Teams antreten. Die Tordifferenz ist trotz leichter Gegner und starker Abwehr negativ. Die Offensive ist die viertschlechteste der Liga (acht Tore in acht Spielen). Das Team ist von Novakovic und seinen Toren (bisher fünf) abhängig, nicht auszudenken er fiele aus oder träfe nicht mehr. Mondragon hat bereits mehrfach gepatzt diese Saison, gegen Cottbus gabs zum Glück nichts auf sein Tor.

Ohje, das kann ganz schnell alles bergab gehen mit dem FC!

Also, was sagt uns das? Nichts. Wirklich gar nichts. Nach acht Spieltagen sind wir kaum schlauer als vor der Saison. Also lassen wir uns überraschen. Am besten positiv und am besten schon kommenden Freitag in Leverkusen. Denn noch bin ich gehemmt, aber ich hab unmenschlich Bock auf Euphorie!!!

Endlich wieder Bayernjäger?

Nach sechs Spieltagen ist der FC doch tatsächlich nur einen Punkt hinter den großen Bayern. Vor der Saison hätte ich das natürlich sofort gekauft. Nun stellt sich die Lage aber differenzierter dar, nicht zuletzt weil die Bayern schlecht gestartet sind. Und trotzdem, es fühlt sich irgendwie gut an, erst recht nach dem hochverdienten Sieg gegen die Schalker gestern.

Es war ja auch ein großer Abend. Und ich hatte phasenweise auch das Gefühl, das der “Kicker” schließlich zu seiner Überschrift für den Spielbericht machte: “Köln führt Schalke vor“. Die Erinnerungen an das großartige Pokalspiel von vor zwei Jahren kamen nicht von ungefähr. Doch gerade jetzt sollte man sich von dem einen Spiel nicht blenden lassen. Es war gut, keine Frage. Aber es war nicht so gut, wie es jetzt alle machen. Genausowenig wie die Leistungen in den drei Spielen zuvor – trotz der Niederlagen – so schlecht waren.

Köln sah gestern aus zwei Gründen so bärenstark aus:

1. Weil von Schalke gestern wirklich gar nichts kam. Kein Einsatz, keine Spielkultur. Das war wirklich eines der schwächsten Teams, dass sich in letzter Zeit nach Müngersdorf getraut hat. Punkt um.

2. Weil man nicht viel vom FC erwartet hat. Mal im Ernst, wer hat nach den letzten drei Spielen damit gerechnet, dass Schalke hochverdient besiegt wird? Wohl die Wenigsten. Ich jedenfalls nicht. Und wenn man drei Spiele lang kaum einen Torschuss des eigenen Teams sieht, dann wirken 5-6 in einer Halbzeit plötzlich überragend.

Aber was, wenn der Kopfball von Halil Altintop in der 91. Minute rein geht? Dann hat man gegen einen ganz schwachen Gegner zu Hause nur einen Punkt geholt. Unverdient, klar, aber hätte die Tabelle dann endlich mal gelogen? Hätte sie nicht. Deshalb, es war eine wirklich starke Leistung und ein hochverdienter Erfolg. Ein Spiel, dass Hoffnung macht. Aber man sollte sich nicht davon blenden lassen. Die Bayern werden uns bald enteilen. Schalke wird um den Titel spielen. Und der FC sollte kommende Woche im Derby punkten, um etwas Abstand zu den Abstiegsplätzen vorzulegen. So siehts nämlich aus. Aller Euphorie zum Trotz.

PS: Ich bin nun zwei Wochen im Urlaub, weswegen es in dieser Zeit keine Beiträge und twitter-updates geben wird.

Eine Begegnung mit Besonderheiten

Ein Heimspiel gegen die Bayern ist eigentlich immer was besonderes. Ein HeimSIEG gegen die Bayern leider auch. Auch dieses Mal gingen unsere Mannen leer aus, obwohl wenn die Leistung über weite Strecken ganz gut war. Aber es fehlte das letzte bißchen Courage, der volle Mut, die Mannschaft hat doch ein wenig an sich gezweifelt. Sie hätte das Herz in die Hand nehmen müssen, dann wäre vielleicht was gegangen. Die Bayern waren ja nun wirklich nicht übermächtig. Schade, aber andererseits ist dem Team da kein Vorwurf zu machen, Selbstvertrauen ist schwierig zu befehlen. Mit dem ein oder anderen Sieg in den kommenden Wochen kommt das hoffentlich von alleine. Und die Leistung von Geromel war Weltklasse (obwohl Toni doppelt traf), “Dodo“, Petit und Marvin Matip waren ebenfalls bärenstark. Darauf lässt sich auf jeden Fall aufbauen. Wer sich nochmal bewegte Bilder ansehen will, kann das übrigens bei 101greatgoals.com tun.

Da sich auf dem Rasen also nicht viel Überraschendes tat, suchte sich das Publikum wohl andere Beschäftigung. Und fand sie – natürlich – in Bayern-Stürmer Lukas Podolski. Dieser wurde schon vor seiner Einwechslung minutenlang gefeiert, dann bereitete er das zweite Tor vor und erzielte das Dritte selbst. Und wieder jubelt das Kölner Publikum. Und als krönenden Abschluss macht es mit Poldi die Welle. DAS war auch was Besonderes. Es wirft spätestens im Rückblick aber einige Fragen auf, die Philipp Selldorf bei den 11 Freunden treffend formuliert: “Darf man einem Spieler der gegnerischen Mannschaft während der Partie so haltlos zujubeln? Selbst dann, wenn es ein Kölner in der Verkleidung eines Münchners ist?” Einige formulieren ihre Position dazu eindeutig und drastisch, wie beispielsweise Mirai Torres.

Aber halten wir doch erstmal fest, was dafür spricht: Poldi stammt aus der eigenen Jugend, hat elf Jahre für den FC gespielt. Er hat viele wichtige und schöne Tore geschossen und ging nach dem Abstieg 2004 – trotz zahlreicher anderer Optionen – mit dem FC in die zweite Liga. Er bekennt sich noch heute zum Verein und macht kein Geheimnis daraus, dass er sich vorstellen kann wieder zurückzukehren. Und selbst nach einem Tor gegen den FC feiert er nicht unnötig. Das ist wunderbar so. Poldi verhält sich vorbildlich und es ist daher eine Selbstverständlichkeit, dass er in Müngersdorf nicht ausgepfiffen, sondern freundlich empfangen wird.

Und doch trägt er das Trikot des FC Bayern, er ist aus freien Stücken dort hin gegangen. Er hätte auch beim FC bleiben können, hatte sogar noch Vertrag. Damit will ich nicht sagen, dass er hätte bleiben sollen. Sein Abschied war nach dem Abstieg 2006 vorhersehbar und seine Entscheidung für die Bayern völlig in Ordnung. Da ist ihm kein Vorwurf zu machen. Aber andererseits ist die Tatsache nicht zu ignorieren, dass er nun für den FC Bayern spielt. Und das ist nicht der 1. FC Köln. Ein Milivoje Novakovic spielt dagegen für den FC. Und der wundert und ärgert sich in meinen Augen zurecht über die Poldi-Show im Stadion, insbesondere nachdem dieser auch noch das 0:3 erzielt hatte.

Jeder von uns FC-Fans würde immer unterschreiben, dass der FC wichtiger ist, als das Schicksal einzelner Spieler. Sogar wichtiger als Overrath, Schuhmacher, Littbarski und erst recht wichtiger als Lukas Podolski, der bei allem Respekt für seine Leistungen nicht an den Status der vorgenannten heran kommt. Und wenn der FC wichtiger ist als einzele Spieler, dann muss ich die Spieler mit dem Geissbock auf der Brust feiern. Und nicht die mit dem Bayern-Wappen. Einen Lukas Podolski sollte man freundlich empfangen. Aber die Verherrlichung am letzten Samstag, das war nichts anderes als eine kollektive Peinlichkeit.

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