Fehler bei der Kaderplanung?

Das erste Saisonspiel ist gespielt und der FC hat keinen Punkt geholt, nichtmal ein Tor geschossen. Das klingt schlecht. Ist es auch. Aber ist es auch ein Grund zur Beunruhigung? Ja, findet Christian Löer von Kölner Stadtanzeiger. Seinen Kommentar fast folgender Satz zusammen: “Dennoch war dieses 0:1 zum Ligastart kein Pech. Sondern das Ergebnis von Fehlern bei der Kaderplanung.”

Ist das so? Zugegeben, das aktuelle Verletzungpech (Novakovic, Geromel, Podolski) offenbart, dass der FC nicht 22 gleichwertige Spieler hat. Und man kann ihm daher auch nicht widersprechen wenn er sagt, dass der Kölner Kader sehr dünn besetzt ist, offensiv wie defensiv. Ein Fehler ist es dennoch nicht.

Artikulierte Strategie des FC-Führung ist seit einiger Zeit: “Qualität vor Quantität”.  Dafür stehen vor allem die Neuzugänge Podolski und Maniche. Und das ist auch richtig so. 22 gleichwertige Spieler im Kader zu haben ist nur möglich, wenn man insgesamt qualitative Abstriche macht. Oder aber Bayern München heißt – und selbst dann ist es nur die halbe Wahrheit. Die Erfolgschancen eines Teams gespickt mit überdurchschnittlichen Bundesligaspielern sind allemal höher, als wenn man nur auf solide “Massenware” setzt. Natürlich sollten nicht alle Leistungsträger zugleich ausfallen. Aber dieses Risiko muss man in Kauf nehmen, wenn man den Verein voranbringen will.

Die Niederlage in Dortmund ist daher – wie jede Niederlage – ärgerlich. Aber kein Grund zur Beunruhigung und auch kein Grund die Personalpolitik von Manager Michael Meier nach nur einen Spiel zu kritisieren. Zumal unter dem Ausfällen keine Langzeitverletzten (mehr) sind.

Frech, böse und gierig!

Die heutige FC-Nachricht des Tages bestand darin, dass Pierre Womé dem FC einen Brief geschrieben hat. Glaubt man dem Boulevard, dann war der Brief “blau” und “böse” und sein Inhalt “frech”, vielleicht sogar eine “Gier-Anfall”, jedenfalls aber “einzigartig in der Branche”. Oha. Was war passiert? Folgendes:

Der Angestellte Womé hat seinen Arbeitgeber – bzw. seinen Vorgesetzten Meier – schriftlich darauf hingewiesen, dass ihm nicht das vereinbarte Gehalt überwiesen wurden. Sondern etwas weniger und zudem noch eine andere Zahlung seit vier Monaten überfällig sei. Geschäftsführer Michael Meier hat daraufhin das Ganze nachgeprüft und zur Zufriedenheit des Angestellten geregelt. Ende der Geschichte.

Wo bitte ist jetzt hier irgendwas “frech” oder ein “Gier-Anfall”? Der Vorgang ist das normalste in der Welt. Bei Gehaltsabrechnungen passieren Fehler – absichtliche und unabsichtliche. Und wenn einem Arbeitnehmer dort ein Fehler zu seinen Ungunsten auffällt, dann sollte er auf Richtigstellung pochen, am besten schriftlich. Genau das hat Womé gemacht. Es gibt eigentlich nur einen Aspekt der ganzen Geschichte, der eine Nachricht wert ist. Und das ist die Frage, wie derlei Fehler beim FC passieren können. Da sollte man mal recherchieren, schließlich sind finanzielle Angelegenheiten immer ein sensibles Thema. Vermutlich gibt es eine einfach Erklärung für den Fehler, einen Finanzskandal gibt es wohl nicht aufzudecken. Trotzdem, als Journalist darf man hier durchaus mal nachfragen.

Aber ein solch tendenzieller Artikel, der Pierre Womé ohne jegliche Grundlage neben die Worte “böse”, “frech” und “Gier-Anfall” setzt, den Spieler noch ob eines Rechtschreibfehlers aufzieht, ist äußerst schlechter Stil. Hier wird auf dem Rücken eines Menschen das Ziel der Auflagenerhöhung verfolgt. Wie kann man das nennen? Frech? Böse? Gierig? Ja, genau.

“All-in”-Strategie beim FC?

Armando Gonçalves Teixeira. Klingt fast nach Diego Armando Maradona. Doch auch wenn “Petit” nicht der aktuell beste Fußballer der Welt ist (obwohl er mit dem – nach gängiger Meinung ein gewisser Cristiano Ronaldo – des öfteren zusammen gekickt hat), so ist sein Transfer zum 1. FC Köln ein Supercoup. Petit verkörpert auf der so wichtigen Sechser-Position internationale Klasse. Der Mann hat mehrfach die portugiesische Meisterschaft gewonnen, 57 Länderspiele für Portugal absolviert und eine Reihe exzellenter Partien in der Champions League gezeigt. So exzellent, dass er vor zwei Jahren auch zu Manchester United oder nach Lyon hätte gehen können. Warum, und das ist nun die große Frage, warum geht so einer zu einem Bundesliga-Aufsteiger, dessen letzte große Zeit knapp 20 Jahre her ist? Okay, Petit hatte in Lissabon wohl Probleme und wollte weg. Aber warum Köln? Im Wesentlichen sehe ich drei Möglichkeiten der Erklärung:

Möglichkeit 1: Der Mann hat seinen Zenit überschritten

Tja, Petit wird im September 32 Jahre alt. Ist also kein aufstrebendes Talent mehr. Aber dass er nur noch ein Zerrbild seiner selbst sei, kann niemand behaupten. Er hat noch vor wenigen Wochen bei der EM drei Spiele für Portugal gemacht, Kicker-Durchschnittsnote 3,33. Mit 32 baut man als Leistungssportler gemeinhin langsam ab, aber das kann man noch eine Weile durch Erfahrung kompensieren. Beispiele bärenstarker “Sechser” jenseits der 30 gibt es zuhauf. Zvonimir Soldo zeigte noch mit 38 Jahren Bundesliga-Niveau. Und Claude Makelele (36) stand vor ein paar Wochen im Champions League-Finale. Diese Möglichkeit ist also als Erklärung für den Transfer ungeeignet.

Möglichkeit 2: Das FC-Image, Christoph Daum und das WM-Stadion

Petit hat schon einmal in Köln gespielt. Bei der WM 2006 mit Portugal gegen Angola. Und er erinnert sich gerne daran zurück. Außerdem hat der FC international noch immer einen Namen und Christoph Daum ist einer der bekanntesten Trainer in Europa. Sollten also diese Faktoren den Ausschlag gegeben haben? Vielleicht haben sie eine Rolle gespielt, aber eher eine untergeordnete. Das WM-Spiel in Köln mag schön gewesen sein, aber Petit weiß genau, dass das nichts über den Liga-Alltag in Müngersdorf aussagt. Und der lange vergangene Ruhm eines Klubs im fernen Deutschland kann ihm wohl auch nicht so wichtig sein, dass er alles stehen und liegen lässt – Vereine mit ruhmreicher Vergangenheit gibt es in Europa so einige. Und schließlich ist man auf der Zielgerade einer Karriere nicht mehr so sehr daran interessiert einen Trainer zu haben, der einen voranbringt, der einen entscheidend verbessert. Ich denke, je länger man Profi ist, desto weniger ist die Position des Trainers entscheidend. Und auch wenn Daum einen internationalen Ruf hat, Petit und Daum haben bisher nicht zusammen gearbeitet, so dass damit eigentlich nicht zu erklären ist, dass so ein Mann ausgerechnet nach Köln geht.

Möglichkeit 3: Der FC zahlt einfach am meisten

Petit ist sicher der neue Topverdiener im Team. In der Presse (z.B. der FTD) wird auf einen Betrag zwischen 1,7 und 2 Millionen Euro jährlich spekuliert. Das ist ne Menge Holz. Ein Helmes hat für einen Bruchteil dessen in Köln gespielt. Letztlich werden bei diesem Transfer die nackten Zahlen den Ausschlag gegeben haben. Dafür gibt es zahlreiche Indizien: Claus Horstmann beispielsweise wird zitiert mit den Worten: “Das Geld ist aus.” Und Petit sagte vor seine Abreise angeblich zu portugiesischen Journalisten: “Ich erhalte den Vertrag meines Lebens.” Auch wenn man als Profi letztlich noch immer zuerst Fußballer ist: Ein tolles Stadion, super Fans etc. sind großartig. Aber eben auch nur ein Zubrot, wenn man mit Fußball sein Geld verdient. Der FC wollte mit aller Macht einen Top-Sechser und hat ihn sich geholt. Mit enormem finanziellen Aufwand, nicht mit Softskills und Hennes-Bildchen. Ohne damit die Leistung eines Michael Meier schmälern zu wollen, sicherlich war das trotzdem richtig Arbeit.

Was sagt uns das? Offensichtlich geht man im FC-Management mehr Risiko als in den letzten Jahren. Die wichtige Anschlussfrage ist nun, ob es sich um eine “all-in“-Strategie handelt oder man trotzdem gegen die diversen Risiken des Scheiterns abgesichert ist. Hier wandelt man endgültig im Bereich des Spekulativen. Michael Meier hat ja so einige Erfahrungen mit finanziellen Wagnissen – Dortmund lässt grüßen. Claus Horstmann dagegen ist wohl eher der knallharte Rechner, der bestimmte Grenzen nicht überschreiten würde. Hoffen wir, dass sich beide gut ergänzen und die jeweiligen Stärken zur Geltung kommen. Denn wenn hier wirklich alles-oder-nichts gespielt wird, dann ist die kommende Saison die wichtigste der Vereinsgeschichte.


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