“Da hatte ich irgendwie Mitleid”

Als FC-Fan hat man ja ein klares Koordinatensystem. Man weiß, was man gut findet (Daum, Poldi etc.) und kennt die Bösen (Gladbach, Bayern, Schalke, Leverkusen, Oliver Held und viele weitere). In fast jeder (fußballerischen) Lebenssituation hilft einem dieses Koordinatensystem schnell zu einer klaren Meinung zu gelangen (”Der Toni fällt viel zu schnell”). Auch wenns Blödsinn ist, aber darum gehts ja nun nicht. Nur eine Sache ist zumindest mir freilich völlig unklar: Wie ticken eigentlich Menschen, die beispielsweise zu Bayer Leverkusen halten? Da habe ich nicht die geringste Ahnung. Wie kommen die so durch die fußballspezifischen Grundsatzdiskussionen? Da nun auch noch das kleine Derby ansteht für mich Grund genug mal einem ein paar Fragen zu stellen. Jens vom trotz allem lesenswerten catenaccio.de hat sich dazu netterweise bereit erklärt.

Hallo Jens, ich habe in meinem persönlichen Umfeld keine Fans von Bayer Leverkusen, ich kenne nicht mal welche. Du behauptest nun einer zu sein. Warum tust du das?

Frage ich mich auch immer wieder. Aber wahrscheinlich hängt das mit meinem Helfer- und Mitleidssyndrom zusammen. Menschen, denen es schlecht geht oder die Hilfe brauchen, denen stehe ich zur Seite. So wars damals auch bei Leverkusen. Ich erinner mich noch an diese beiden UEFA-Cup-Partien gegen Prag, die beide Remis ausgingen und es mir nicht in den Kopf wollte, dass Bayer aufgrund der Auswärtstore rausflog. Da hatte ich irgendwie Mitleid und verfolgte fortan die Spiele der Werkself, auch um mich vielleicht von meinen Klassenkameraden abzusetzen, die vornehmlich Bayern- oder Dortmund-Fans waren.

Nun steht mal wieder das direkte Duell an. Für FC-Fans ist das Spiel gegen Gladbach ja das wahre Derby, gegen Leverkusen gewinnt man aber auch extra gerne. Welchen Stellenwert hat das Spiel denn für dich?

Ich muss ehrlich gestehen, dass mir dieses Traditionsgehupe, alte Feindschaften, Derbys, etc. eher schnuppe sind. Für mich ist die Partie gegen Köln, ein Auswärtsspiel, was gewonnen werden muss. Ich bin da wohl kein echter Fan. Ich frage mich manchmal, warum es keinen Fanleitfaden für Anhänger des Clubs XY gibt. “Club XY ist der beste und tollste Verein, den es gibt. – Eure Feinde sind der gegnerische Verein und deren Fans. – Den Verein ABC dürft ihr auch ok finden, der Verein FGH ist dagegen böse. Sympathien zu diesem Verein werden nicht akzeptiert. Blabla.” Aber ich schweife ab.

Seit Jahren finden sich im Bayer-Kader immer wieder alte FCler, aktuell Sinkiewicz und Helmes. Werden diese bei den Bayer-Anhängern kritisch beäugt oder ist man besonders stolz auf die beiden?

Auch hier kann ich nur wieder antworten. Ja und? Ist doch egal, ob jemand beim FC oder bei Bayern München gespielt hat. Jetzt spielt er in der Werkself und da hat er seine Leistung zu bringen. Tut er das nicht, wird er zumindestens bei mir hinterfragt. Ich weiß aber, dass das nun mal bei diversen Fans nicht egal ist. Und auch die Medien freuen sich wie die Schneekönige, wenn Exspieler irgendwo auflaufen und am besten noch ein Tor schießen gegen den Exverein und dann vielleicht noch mit den Exfans am Ende jubeln.

Leverkusen hat eine teils berauschende Hinrunde gespielt, jetzt droht plötzlich der Anschluss an die UEFA-Cup-Plätze verloren zu gehen. Woran liegts?

Ganz so plötzlich, wie alle meinen kommt das ja nicht. Schon in der Hinrunde gab es Spiele, die man gewonnen hat, aber durchaus hätte verlieren können. Es gab diverse Matches, wo Bayer einfach unnötig Punkte verschenkt hat. Gegen Karlsruhe, Bielefeld oder Cottbus hätte Leverkusen neun Punkte holen müssen und am Ende sind es zwei gewesen. Und da waren noch einige Spiele mehr, die sicherlich auch anders hätten ausgehen können. In der Rückrunde fehlt jetzt einfach der Biss und der Mann, der die Mannschaft um sich schart und sie mitreißt. Neben dem Platz müht sich Bruno Labbadia redlich, auf dem Platz sehe ich keinen Spieler, der sich gegen das Mittelmaß wehrt. Das ist vielleicht auch zu viel verlangt von diesem jungen Team.

War die Entlassung von Michael Skibbe in deinen Augen richtig? Offensichtlich scheint er nicht schlechtere Arbeit geleistet zu haben als sein Nachfolger.

Ich glaube, dass das schon ok war. Skibbe hat zwar fachlich einiges auf dem Kasten, allerdings hat er auch die Ausstrahlung eines Blocks Beton. Zum Ende haben die Spieler, glaube ich, nichts mehr mit ihrem Trainer anfangen können. Labbadia fehlt leider noch einiges an Erfahrung, fachlich ist sicherlich auch noch das ein oder andere aufzuholen, aber dafür arbeitet er hart und hat einen Plan. Es könnte halt sein, dass dieser Plan, bei diesem Team und seinen Kompetenzen eine Saison länger braucht, um in Erfüllung zu gehen.

Kommt ihr nochmal ran ans internationale Geschäft?

Ich glaube nicht. Die ersten fünf Mannschaften sind zu stark und werden den Rest der Liga auf Abstand halten. Selbst wenn alles gut läuft und man nur noch ein oder zwei Niederlagen kassiert, ist die Spitze zu stark, dass Bayer da noch ran kommt.

Der FC ist drauf und dran die Klasse zu halten. Ein Ärgernis für dich?

Nein auf keinen Fall. Der FC hat für mich eher eine Existenzberechtigung in der 1.Liga, als zum Beispiel Bielefeld oder Cottbus. Das hat aber allein sportliche Gründe.

Nun kommt auch noch Poldi zurück zum FC. Hältst du das für genauso bödsinnig wie die meisten außerhalb Kölns?

Man wird sehen. Poldi wird wahrscheinlich 1-2 Spielzeiten in Köln spielen, 20-30 Tore schießen und dann international gehandelt werden. Vielleicht probiert er es dann noch mal, aber ich glaube er wird es nicht schaffen, sich woanders durchzusetzen. Poldi erinnert mich immer ein bisschen an Landon Donovan. Das persönliche Umfeld muss bei beiden stimmen, damit es läuft. Bei Podolski ist das nun mal am Dom in Kölle.

Und was traust du dem FC in der kommenden Saison zu?

Tja – was traue ich dem FC nächste Saison zu? Das kommt ein bisschen darauf an, wen man sonst noch ins Boot holt. Mit dem derzeitigen Team plus Podolski wird der FC irgendwo im Mittelfeld landen.

Dein Tipp für Sonntag?

Ein 2:1 für Bayer. Ein 2:1. Ein 2:1. Ein 2:1. Ein 2:1. Und die Werkself wird nach Rückstand endlich mal ein Spiel drehen. Ein 2:1. Ein 2:1. Ein 2:1. Man muss es nur oft genug schreiben, dann wird es wahr.

Schweizer Trainer

Ok, einen Matchwinner zu benennen verbietet sich, wenn man nur 2:2 gespielt hat. Aber wie das Spiel in Frankfurt ohne Stümer Milivoje Novakovic ausgegangen wäre, möchte man als FC-Fan gar nicht wissen. Mit seinem Doppelpack rettete er zumindest einen Punkt und unterstrich, dass er einer der Top-Stürmer der Bundesliga ist. Zehn Tore hat er jetzt schon mehr geschossen als seine treffsichersten Mitspieler (Radu und Petit, jeweils zwei Treffer). Er ist – neben Geromel – die große Nichtabstiegsversicherung des FC. Sollte am kommenden Wochenende Karlsruhe bezwungen werden, kann man vor allem dank ihm beruhigt für die kommende Saison planen.

Auch wenn Novas Start in Köln nur mäßig war, der Mann ist ein Phänomen und mittlerweile weiß jeder, warum der damalige Trainer Hans-Peter Latour ihn unbedingt haben wollte. „Ich will die Stärken von Matthias Scherz nicht abwerten, er ist sehr schnell und stark im Strafraum. Aber die Spielstärke von Novakovic hat er auf diese Weise nicht.“ Das waren seine Worte zur Neuverpflichtung Novakovic. Auch wenn Latours Amtszeit unter einem unglücklichen Stern stand, mal abgesehen vom grandiosen Pokalsieg gegen Schalke, für diesen Transfer muss man ihm verdammt dankbar sein. Wie auch seinem Vorgänger Marcel Koller, der dem A-Jugendlichen Lukas Podolski entdeckte und ins Team beförderte. Alles falsch war an den beiden wohl nicht, jedenfalls für Top-Stürmer scheinen Schweizer Trainer ein Auge zu haben. Auch Lucien Favre macht in Berlin ja grad keinen schlechten Job, auch wenn er mit Pantelic nicht klar kommt. Was vielleicht die Ausnahme der Regel ist.

Fest steht jedenfalls: Wenn in der kommenden Saison Nova und Poldi die erste FC-Reihe bilden, dann ist das ein Verdienst unserer schweizer Trainer. Danke dafür!

(Un)haltbar?

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Aber es überlebt. Ganz ähnlich geht es in diesem Winter dem FC, der gestern mal wieder eine 1:0-Führung verspielte, andererseits aber den Abstand zu den Abstiegsplätzen um einen weiteren Zähler auf nun ganze zehn vergrößern konnte. Und angesichts der vielen Ausfälle muss und kann man damit hoch zufrieden sein.

Diskussionwürdig erscheint der Kölner Presse wohl – abgesehen von den desaströsen Platzverhältnissen – vor allem das Gegentor durch Grafite. Der Express gibt Mondragon die Schuld: “Doch dann tapste er doch zu spät in die Ecke und setzte sich die Pappnase auf… Grafites Aufsetzer zum Ausgleich war haltbar.” Und auch der Kölner Stadtanzeiger stimmt mit ein: “Der Ball war haltbar, Kölns Torhüter Faryd Mondragon schaffte das aber nicht, was nicht für ihn spricht.” Man kann den Eindruck bekomen, dass mit einem wirklich guten Keeper auch drei Punkte drin gewesen wären.

Interessant ist allerdings, dass die eher neutrale Berichterstattung des Kicker folgendes festhält: “Torwart Mondragon und etwas Glück hielten die Kölner aber im Spiel und stellten schließlich das Unentschieden sicher. (…) Nach einem Einwurf kam der Ball über Okubo zu Grafite. Der ließ den angeschlagenen Ehret locker aussteigen und zog aus über 20 Metern ab. Unhaltbar schlug das Leder unten links im Kölner Tor ein.” Offensichtlich liegt der Fall also nicht so eindeutig. Und wenn man sich die Szene genau anschaut wird man feststellen, dass Mondragon den Ball erst spät kommen sieht, Pezzoni verdeckt den Schuss. Von einen Patzer zu sprechen tut der Nummer 1 beim FC also unrecht. Zugegeben, man hat bei der Aktion das Gefühl, dass ein René Adler vielleicht noch die Finger an den Ball bekommen hätte. Aber ein Torwartfehler war das nicht und in der Gesamtschau des Spiels hat Mondy zahlreiche starke Aktionen gehabt, die seine Bundesligatauglichkeit beweisen.

Bleibt die Frage, warum sich Express und KSTA so auf Mondragon einschießen. Eine Vermutung liegt auf der Hand: Mondragon ist 37 und damit stellt sich natürlich absehbar die Frage der Nachfolge. Und darüber lässt sich herrlich spekulieren, bis zum Sommer ist wunderbar Auflage mit Torwart-Diskussionen machen. Und das um so besser, wenn Mondragon nicht unumstritten ist. Und dafür lässt sich ja sorgen. Es sollte sich bei der Bewertung von Mondragon also besser jeder auf seine eigenen Eindrücke verlassen. Aber das ist ja eh immer das Beste.

Nachtrag (2.2. – 14:52 Uhr): Der Kicker hat sich korrigiert und schreibt nun: “Nach einem Einwurf kam der Ball über Okubo zu Grafite. Der ließ den angeschlagenen Ehret locker aussteigen und zog aus über 20 Metern ab. Das Leder schlug unten links im Kölner Tor ein, Monragon reagierte in dieser Situation einen Tick zu spät.” Das kann man so sehen. Ein Mondragon-Bashing ist aber dennoch fehl am Platze.

Poldi Reloaded! – Eine Presseschau

Obwohl der Transfer sich schon länger abzeichnete ist die deutsche Presse gestern und heute erst so richtig ins Rollen gekommen. Kein Blatt in dem nicht mindestens zwei Beiträge zur Poldi-Rückkehr zu finden sind. Es ist also alles gesagt, sogar von jedem. Und das ist Grund genug hier nicht eine weitere Besprechung des Wechsels zwischen Chance und Risiko zu liefern, sondern stattdessen die besten oder auch interessantesten Berichte und Kommentare hier zu verlinken.

Die ZEIT

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Der Spiegel

Berliner Zeitung

NZZ

FR

Welt

Welt

Welt

Focus

SZ

SZ

FAZ

FAZ

KSTA

KSTA

11 Freunde

Sport 1

NRZ

WR

Rundschau

General Anzeiger

RP

Merkur

Münchner TZ

FC.zwitschern

Nun war es ein paar Tage ruhig hier. Zum Spiel gegen Frankfurt gibt es auch wirklich nicht viel zu sagen. Da war man einfach zu blöd für drei Punkte gegen einen eigentlich indiskutablen Gegner. Das Elfmetergeschenk muss man annehmen und man darf sich beim Stand von 1:0 von der Harmlosigkeit der Frankfurter auch nicht so einlullen lassen. Na gut, kann mal passieren, sollte aber nicht mehr oft passieren in dieser Saison. Und immerhin, die übliche Panik nach zwei nicht gewonnen Spielen blieb bisher aus. Wenigstens das ist ein einigermaßen bemerkenswerter Fakt. Ach ja, und wer nochmal kurz hinsehen will, kann dies hier tun.

Was wirklich Neues gibt es in eigener Sache zu berichten. Ich nutze privat seit einiger Zeit “Twitter“, einen so genannten “mikro-blogging“-Dienst. Ich weiss nicht wie bekannt Twitter mittlerweile ist, vermutlich werden Viele noch nie davon gehört haben. Es ist auch nicht ganz einfach zu erklären, der Versuch von Wikipedia ist jedenfalls nicht sehr gelungen. Etwas besser ist ein Text beim WDR, außerdem gibts ein ausführliches Video beim “Elektrischen Reporter“. Mir ist jedenfalls aufgefallen, dass es bei Twitter noch nichts zum 1. FC Köln gibt. Nicht der FC selber und auch sonst niemand “twittert” über die neuesten Entwicklungen beim FC. Dabei bietet sich das Format durchaus sehr an, um schnell über aktuelle Geschehnisse zu berichten. Es hat das Potential  zum echten  Info-Dienst. Aufs Handy, via Instant Messanger, auf der Twitter-Webseite – es gibt zahlreiche Wege die maximal 140 Zeichen langen Mitteilungen zu empfangen, ich selber nutze die Firefox-Erweiterung “twitterfox“. Es gibt aber etliche weitere Tools rund um Twitter, eine Auswahl findet sich z.B. auf karrierebibel.de. Da es also bisher keinen FC-Tweet gibt, und weil ich beruflich eh den ganzen Tag am Rechner sitze (und dabei leider regelmäßig checke, was es so Neues vom FC gibt), werde ich ab sofort via Twitter alles News zum FC weiter verbreiten und hoffe, dass es einige von Euch nützlich finden. Ich bin wirklich gespannt wie das mit der Zeit angenommen wird, auch wenn sich das für Viele derzeit wohl noch ziemlich nerdig anhört. Aber lassen wir uns überraschen.

Also: Wer den geissblog-Tweets ab sofort folgen möchte, der gehe zu: http://twitter.com/geissblog.


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