Frech, böse und gierig!

Die heutige FC-Nachricht des Tages bestand darin, dass Pierre Womé dem FC einen Brief geschrieben hat. Glaubt man dem Boulevard, dann war der Brief “blau” und “böse” und sein Inhalt “frech”, vielleicht sogar eine “Gier-Anfall”, jedenfalls aber “einzigartig in der Branche”. Oha. Was war passiert? Folgendes:

Der Angestellte Womé hat seinen Arbeitgeber - bzw. seinen Vorgesetzten Meier - schriftlich darauf hingewiesen, dass ihm nicht das vereinbarte Gehalt überwiesen wurden. Sondern etwas weniger und zudem noch eine andere Zahlung seit vier Monaten überfällig sei. Geschäftsführer Michael Meier hat daraufhin das Ganze nachgeprüft und zur Zufriedenheit des Angestellten geregelt. Ende der Geschichte.

Wo bitte ist jetzt hier irgendwas “frech” oder ein “Gier-Anfall”? Der Vorgang ist das normalste in der Welt. Bei Gehaltsabrechnungen passieren Fehler - absichtliche und unabsichtliche. Und wenn einem Arbeitnehmer dort ein Fehler zu seinen Ungunsten auffällt, dann sollte er auf Richtigstellung pochen, am besten schriftlich. Genau das hat Womé gemacht. Es gibt eigentlich nur einen Aspekt der ganzen Geschichte, der eine Nachricht wert ist. Und das ist die Frage, wie derlei Fehler beim FC passieren können. Da sollte man mal recherchieren, schließlich sind finanzielle Angelegenheiten immer ein sensibles Thema. Vermutlich gibt es eine einfach Erklärung für den Fehler, einen Finanzskandal gibt es wohl nicht aufzudecken. Trotzdem, als Journalist darf man hier durchaus mal nachfragen.

Aber ein solch tendenzieller Artikel, der Pierre Womé ohne jegliche Grundlage neben die Worte “böse”, “frech” und “Gier-Anfall” setzt, den Spieler noch ob eines Rechtschreibfehlers aufzieht, ist äußerst schlechter Stil. Hier wird auf dem Rücken eines Menschen das Ziel der Auflagenerhöhung verfolgt. Wie kann man das nennen? Frech? Böse? Gierig? Ja, genau.

“Und dann kam das 2:1 gegen Hannover…

… und der Trainer trank ein Kölsch, vielleicht auch zwei.”

Zugegeben, in der soeben zitierten “Heldensage vom heiligen Ewald” der Wise Guys geht es um ein 5:3. Doch ansonsten passt alles: Köln gewinnt erstmals seit acht Jahren gegen Hannover, die drei Punkte sind ein Riesenschritt nach vorn (damals der 1. Wiederaufstieg) und danach geht das Team feiern (Freitag abend nach Angaben des Trainers im Sportstudio bis fünf(!) Uhr morgens). Und die Fans sind anschließend euphorisch, verheißt die Zukunft doch nur Gutes.

Dazu gibt es alles Grund, denn ein Spiel wie das vom Freitag wäre in den letzten Jahren in acht von  zehn Fällen sogar verloren gegangen. Dieses Mal wurden drei Punkte gewonnen. Und vier Mal hatte der FC Glück:

1. Der Ausgleichstreffer durch Geromel war sehr knapp - zu knapp fürs menschliche Auge. Der Schiedsrichter und sein Assistent konnten niemals erkennen, ob der Ball wirklich mit vollem Umfang hinter der Linie war. Je nach Kameraperspektive sieht das anders aus. Letztlich scheint die Entscheidung korrekt gewesen zu sein. Aber manchmal ist auch eine richtige Schiedsrichterentscheidung einfach Glück.

2. Das 2:1 durch Willi Sanou war höchst unglücklich abgefälscht. In den Fernsehbildern sieht es so aus, als würde Fromlowitz den Ball halten können. Nach der Berührung durch Hanke ist er chancenlos.

3. Der Freistoß von Huszti an die Unterkante der Latte hätte einen Treffer verdient gehabt. Ein unglaublicher Strahl, Mondragon ohne Chance. Aber der Ball tippt kurz vor der Linie auf - zum Glück.

4. Das Handspiel von Wome war grenzwertig. Nach konsequenter Regelauslegung ist die Entscheidung von Schiri Sippel wohl korrekt. Aber das stützt sich nur auf die Beurteilung der Frage, ob das Handspiel absichtlich war oder nicht. Da kann man so entscheiden, wie es Sippel tat. Aber die Hand ging zum Ball und verhinderte eine glasklare Torchance. Sowas wird nicht selten gepfiffen.

Und doch ist klar, dass man sich Glück auch erarbeiten muss. Und das hat die Mannschaft getan. Deshalb war der Sieg nicht unverdient und genau deshalb kann man fast sicher sagen: Wer so Spiele gewinnt, der steigt nicht ab. Andere Vereine werden mit solchen Siegen sogar Meister. (Aber das sind andere Vereine, nicht der FC. Nur um Missverständnissen vorzubeugen. ;-) )

Bei genauer Betrachtung gibt es doch noch ein paar kleine, aber feine Unterschiede zum Sieg gegen Hannover aus dem Jahr 2000. Damals war der Sieg verdienter und die Tore schöner. Das unfassbare “Aufstiegstor” zum 4:3 durch Alex Voigt ist für mich noch immer der größte FC-Moment der letzten 18 Jahre. Dafür ging es damals aber zwei Jahre später wieder runter. Und das wird es dieses Mal nicht.

Wirklich nicht. Niemals.