Endlich wieder Bayernjäger?
Nach sechs Spieltagen ist der FC doch tatsächlich nur einen Punkt hinter den großen Bayern. Vor der Saison hätte ich das natürlich sofort gekauft. Nun stellt sich die Lage aber differenzierter dar, nicht zuletzt weil die Bayern schlecht gestartet sind. Und trotzdem, es fühlt sich irgendwie gut an, erst recht nach dem hochverdienten Sieg gegen die Schalker gestern.
Es war ja auch ein großer Abend. Und ich hatte phasenweise auch das Gefühl, das der “Kicker” schließlich zu seiner Überschrift für den Spielbericht machte: “Köln führt Schalke vor“. Die Erinnerungen an das großartige Pokalspiel von vor zwei Jahren kamen nicht von ungefähr. Doch gerade jetzt sollte man sich von dem einen Spiel nicht blenden lassen. Es war gut, keine Frage. Aber es war nicht so gut, wie es jetzt alle machen. Genausowenig wie die Leistungen in den drei Spielen zuvor - trotz der Niederlagen - so schlecht waren.
Köln sah gestern aus zwei Gründen so bärenstark aus:
1. Weil von Schalke gestern wirklich gar nichts kam. Kein Einsatz, keine Spielkultur. Das war wirklich eines der schwächsten Teams, dass sich in letzter Zeit nach Müngersdorf getraut hat. Punkt um.
2. Weil man nicht viel vom FC erwartet hat. Mal im Ernst, wer hat nach den letzten drei Spielen damit gerechnet, dass Schalke hochverdient besiegt wird? Wohl die Wenigsten. Ich jedenfalls nicht. Und wenn man drei Spiele lang kaum einen Torschuss des eigenen Teams sieht, dann wirken 5-6 in einer Halbzeit plötzlich überragend.
Aber was, wenn der Kopfball von Halil Altintop in der 91. Minute rein geht? Dann hat man gegen einen ganz schwachen Gegner zu Hause nur einen Punkt geholt. Unverdient, klar, aber hätte die Tabelle dann endlich mal gelogen? Hätte sie nicht. Deshalb, es war eine wirklich starke Leistung und ein hochverdienter Erfolg. Ein Spiel, dass Hoffnung macht. Aber man sollte sich nicht davon blenden lassen. Die Bayern werden uns bald enteilen. Schalke wird um den Titel spielen. Und der FC sollte kommende Woche im Derby punkten, um etwas Abstand zu den Abstiegsplätzen vorzulegen. So siehts nämlich aus. Aller Euphorie zum Trotz.
PS: Ich bin nun zwei Wochen im Urlaub, weswegen es in dieser Zeit keine Beiträge und twitter-updates geben wird.
Eine Begegnung mit Besonderheiten
Ein Heimspiel gegen die Bayern ist eigentlich immer was besonderes. Ein HeimSIEG gegen die Bayern leider auch. Auch dieses Mal gingen unsere Mannen leer aus, obwohl wenn die Leistung über weite Strecken ganz gut war. Aber es fehlte das letzte bißchen Courage, der volle Mut, die Mannschaft hat doch ein wenig an sich gezweifelt. Sie hätte das Herz in die Hand nehmen müssen, dann wäre vielleicht was gegangen. Die Bayern waren ja nun wirklich nicht übermächtig. Schade, aber andererseits ist dem Team da kein Vorwurf zu machen, Selbstvertrauen ist schwierig zu befehlen. Mit dem ein oder anderen Sieg in den kommenden Wochen kommt das hoffentlich von alleine. Und die Leistung von Geromel war Weltklasse (obwohl Toni doppelt traf), “Dodo“, Petit und Marvin Matip waren ebenfalls bärenstark. Darauf lässt sich auf jeden Fall aufbauen. Wer sich nochmal bewegte Bilder ansehen will, kann das übrigens bei 101greatgoals.com tun.
Da sich auf dem Rasen also nicht viel Überraschendes tat, suchte sich das Publikum wohl andere Beschäftigung. Und fand sie - natürlich - in Bayern-Stürmer Lukas Podolski. Dieser wurde schon vor seiner Einwechslung minutenlang gefeiert, dann bereitete er das zweite Tor vor und erzielte das Dritte selbst. Und wieder jubelt das Kölner Publikum. Und als krönenden Abschluss macht es mit Poldi die Welle. DAS war auch was Besonderes. Es wirft spätestens im Rückblick aber einige Fragen auf, die Philipp Selldorf bei den 11 Freunden treffend formuliert: “Darf man einem Spieler der gegnerischen Mannschaft während der Partie so haltlos zujubeln? Selbst dann, wenn es ein Kölner in der Verkleidung eines Münchners ist?” Einige formulieren ihre Position dazu eindeutig und drastisch, wie beispielsweise Mirai Torres.
Aber halten wir doch erstmal fest, was dafür spricht: Poldi stammt aus der eigenen Jugend, hat elf Jahre für den FC gespielt. Er hat viele wichtige und schöne Tore geschossen und ging nach dem Abstieg 2004 - trotz zahlreicher anderer Optionen - mit dem FC in die zweite Liga. Er bekennt sich noch heute zum Verein und macht kein Geheimnis daraus, dass er sich vorstellen kann wieder zurückzukehren. Und selbst nach einem Tor gegen den FC feiert er nicht unnötig. Das ist wunderbar so. Poldi verhält sich vorbildlich und es ist daher eine Selbstverständlichkeit, dass er in Müngersdorf nicht ausgepfiffen, sondern freundlich empfangen wird.
Und doch trägt er das Trikot des FC Bayern, er ist aus freien Stücken dort hin gegangen. Er hätte auch beim FC bleiben können, hatte sogar noch Vertrag. Damit will ich nicht sagen, dass er hätte bleiben sollen. Sein Abschied war nach dem Abstieg 2006 vorhersehbar und seine Entscheidung für die Bayern völlig in Ordnung. Da ist ihm kein Vorwurf zu machen. Aber andererseits ist die Tatsache nicht zu ignorieren, dass er nun für den FC Bayern spielt. Und das ist nicht der 1. FC Köln. Ein Milivoje Novakovic spielt dagegen für den FC. Und der wundert und ärgert sich in meinen Augen zurecht über die Poldi-Show im Stadion, insbesondere nachdem dieser auch noch das 0:3 erzielt hatte.
Jeder von uns FC-Fans würde immer unterschreiben, dass der FC wichtiger ist, als das Schicksal einzelner Spieler. Sogar wichtiger als Overrath, Schuhmacher, Littbarski und erst recht wichtiger als Lukas Podolski, der bei allem Respekt für seine Leistungen nicht an den Status der vorgenannten heran kommt. Und wenn der FC wichtiger ist als einzele Spieler, dann muss ich die Spieler mit dem Geissbock auf der Brust feiern. Und nicht die mit dem Bayern-Wappen. Einen Lukas Podolski sollte man freundlich empfangen. Aber die Verherrlichung am letzten Samstag, das war nichts anderes als eine kollektive Peinlichkeit.
1. FC Köln - Bayern München
| 13. September 2008 | ||
| 15:30 | to | 17:15 |
4. Spieltag


